Die Komfortzone

Im Urlaub ist mir mal wieder etwas aufgefallen und natürlich muss ich gleich mal meinen Senf dazu abgeben. Ich bin tatsächlich jeden Morgen nach dem Frühstück in den Fitnessraum gegangen und habe eine halbe Stunde trainiert.

Genau, eine halbe Stunde. Von der halben Stunde gehen übrigens noch 10 Minuten auf dem Crosstrainer zum Aufwärmen ab. Da mögen sich jetzt so einige am Kopf kratzen, an zweistündige abendliche Sitzungen denken und so weiter. Womit wir beim Thema Komfortzone sind.

Ich trainiere seit drei Jahren mit einem Trainer, der ziemlich wenig Spaß versteht. Sein Lieblingsspruch ist „Qualität kommt von Qual“. Und so sieht das Training auch aus. Ich habe nach zwanzig Jahren Pausen (und vorher zehn Jahren Leistungssport) zwei Jahre gebraucht, bis ich mental wieder in der Lage war, mich richtig zu quälen. Und seitdem verbessert sich mein körperlicher Zustand auch.

Der Körper und die Muskeln brauchen eine Herausforderung. Sich hinstellen, dreimal die 1kg-Hantel bewegen und sobald der Muskel sich leise bemerkbar macht, aufhören – das ist kein

Training. Das kann man meiner Meinung nach gleich lassen.

Muskeln wachsen nur, wenn man sie richtig auspowert. DAS gibt dann Arme wie die von Michelle Obama und feste Beine ohne Cellulite. Das ist nicht angenehm und man muss sich überwinden. Und man braucht einen guten Trainer, der die Haltung korrigiert. Man sollte sich auch von dem Gedanken verabschieden, dass man fit ist. Es gibt IMMER Übungen, die noch fieser und anstrengender sind.

Die gute Nachricht: um als Frau wie Arnie auszusehen, müsste man vermutlich jeden Tag fünf Stunden oder mehr trainieren und nur noch Eiweiß essen. Man wird von schweren Hanteln nicht gewaltig, sondern einfach nur stark und definiert.

Also: bitte beim Training die Komfortzone verlassen und sich lieber zwanzig Minuten bis zur Erschöpfung aufräumen als gepflegt rumzudümpeln.

PS: ich mache derzeit Kniebeugen mit 23 kg, Trizeps mit 5 oder 6-kg-Hanteln, Bizeps mit 7 kg und Bankdrücken mit 25 kg. Und meine Arme werden dünner, meine Hosen passen besser. Da geht nämlich der Speck obendrauf weg und die Muskeln kommen zum Vorschein.

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  • komfortzone kann aber auch nett und gut fürs herz-kreislauf-system sein: durch eine woche fastenwandern im januar sind mein mann und ich richtig auf den geschmack des nordic walkings gekommen – wir verbringen bei flottem, aber angenehmem tempo, mit unseren hunden viel zeit im wald und sprechen über gott und die welt und haben ein gemeinsames hobby gefunden, daß wir ewig zusammen ausüben können. er geht zwischendurch auch mal laufen oder auf den crosstrainer, aber ich habe beschlossen, daß ich mit 42 keine lust mehr habe auf wirklisch schweißtreibende schinderei. komplett zufrieden mit seinem körper ist man als frau wahrscheinlich eher nie, aber 36/38 reicht, auch wenn nicht alles definiert ist wie bei einer zwanzigjährigen (kann man heute aber auch nicht mehr unbedingt voraussetzen). aber unsere vibrationsplatte müßten wir in sachen muskelaufbau mal wieder aktivieren und die yoga-matte auch wieder ausrollen.
    ach so: ich komme gerade von meiner all-morgentlichen walking-stunde – welcher sport ist wie vieles im leben reine geschmackssache. aber hauptsache man bewegt sich (und gut, daß ihr es ansprecht!).

  • Natürlich ist es überhaupt immer ein Vorteil, sich zu bewegen, das wollte Irit sicher auch nicht in Abrede stellen. Nichtsdestotrotz ist es ein Erfolgserlebnis, wenn man so trainiert, dass man den Unterschied dann auch irgendwann sieht. Ich brauche das für meine Bauchmuskeln, und ich mache es neuerdings für meine Arme, und ich habe sehr den Eindruck, dass das auch Erfolge zeitigt.

  • da ich beruflich mit diesem thema zu tun habe, möchte ich auch meinen senf dazu geben.
    aus meiner erfahrung heraus kann ich berichten, dass es enorm von vorteil ist schon in jüngster jugend sport zu treiben. und zwar leistungsorientiert, in einem sportverein. das bedeutet nicht, dass es zur deutschen meisterschaft reichen muss und dass trainiert wird bis blut fliesst, aber ein gewisser ehrgeiz und eine art der eigenen überwindung werden hier erlent.
    hat man dies nie kennengelernt, ist es äussert schwierig jemanden später auch noch für ein erfolgsorientiertes training zu begeistern.
    die pauschale aussage dazu ist meist. „das tut weh und ist anstrengend!“
    wobei hier 100% schon mal ein definitionsproblem besteht, denn für viele ist tatsächlich anstrengend mit schmerz gleichgestellt.

    ich bin nicht wirklich der ansicht, dass ein hocheffizientes training für einen normalen menschen (ohne olympiaambitionen) eine qual sein muss! dass kann ich als erfahrener trainer anders steuern!
    aber sport und muskeltraining sind eigentlich nichts anderes als eine „muskuläre hornhaut“.
    wie die schwielen an den händen nach tagelanger gartenarbeit, schützt uns eine gut entwickelte und geförderte muskulatur im alltag und auch in gefahrensituationen!
    ein wundervoller nebeneffekt ist eine schönere körperkomposition, in welchen ausmassen auch immer.
    besser zueinander passende proportionen, eine gewisse symmetrie, all das schmeichelt dem auge, egal ob mit grösse 36/38 oder 46!
    und das wenige testosteron im weiblichen körper verhindert muskelmasse und begünstigt eine definiertere muskelstruktur.
    dazu bedarf es aber auch die einhaltung einiger trainingsprinzipien, wie z.b. wiederholungszahlen von über 10 mit einem TROTZDEM fordernden gewicht und anderes mehr!
    Jedes „unterfordernde“ training ist nicht nutzlos, bringt aber nicht mehr als eine art erhaltung des jetzt, das plateau.
    und ist nicht jeder stillstand rückschritt…?
    ich finde irits herangehensweise an ihre trainingseinheiten bewundernswert, denn gerade in unserem „ultra-wellness-zeitalter“ ist ehrgeizig ausgeführter sport immer mehr verpönt. dabei soll und muss es beides geben, das entspannende – schmeichelnde und die herausforderung – selbstüberwindung.
    sorry fürs lange dozieren 😉

  • Hallo Pjotr,
    was heißt das?
    „dazu bedarf es aber auch die einhaltung einiger trainingsprinzipien, wie z.b. wiederholungszahlen von über 10 mit einem TROTZDEM fordernden gewicht und anderes mehr!“ Bei jedem Training ein Gewicht oder eine Wiederholung mehr? Oder wöchentlich steigern? Was sind den die Trainingsprinzipien, die man einhalten sollte? Das interessiert mich wirklich sehr.
    Gruß Susi

  • hallo susi!
    das glaube ich dir, dass dich das interessiert. leider vermitteln die trainer in den meisten fitnessstudios und vereinen heute ja nicht mehr grundsätzlich das „handwerkszeug“, welches du zu einem erfolgreichen training brauchst. man wird an ein terminal im studio verwiesen, oder bekommt pauschale trainingsweissheiten aufgezählt. im endeffekt ist man aber mehr oder weniger auf sich gestellt, es sei denn man hat sport studiert oder gönnt sich einen personal trainer.

    dir jetzt hier trainingstipps zu geben sprengt sicherlich den ramen dieser kleinen kommentar-ecke.
    aber vielleicht fragst du doch mal gezielt einen trainer (falls du in einem studio trainierst), gibst mal „trainingsprinzip“ bei wikipedia ein, oder – wenn du gar nicht damit weiter kommst – kann ich dir vielleicht ganz kurz per mail ein paar erklärungen schicken.
    da das thema aber recht umfangreich ist, sei bitte nicht böse wenn ich wirklich nur knapp darauf eingehen kann.
    lieber gruß!

  • liebe irit,
    ich bewundere disziplin und möchte nur ergänzen, daß ich es absolut bewundernswert finde, wenn jemand soviel spaß am sport entwickelt und gezielt seinen körper modelliert. tolle konturen gefallen mir auch, aber ich finde es sehr entspannend, daß sich bei mir mit zunehmendem alter eine gewisse abgeklärtheit 1. zur figur und 2. zu meinem sportlichen einsatz eingestellt hat. ich nehme mir einfach heraus, das zu sporteln, wozu ich lust habe und mir geht es wie gesagt auch um den aspekt „mit mann und hunden“. und sowenig ich schwimmen in kaltem wasser mag, gefällt mir halt körperliche quälerei (doch, hab´ es schon versucht).
    mein ansatz ist einfach ein anderer, sicherlich auch der effekt. unserer gesellschaft würde es aber gesundheitlich mit sicherheit besser gehen, wenn mehr menschen wenigstens etwas „softie-sport“ machen würden. vor allen anderen, die sich richtig auspowern, habe ich ehrlichen respekt. und sicherlich hast du recht, daß wenn man wirklich etwas erreichen will, sich auch aus gesagter komfortzone herausgewegen muß.
    also: PEACE und weiterhin viel spaß und sichtbaren erfolg!!!

  • Hallo Pjotr,
    vielen Dank für die rasche Antwort. Dann werde ich mir gleich mal heute abend einen Trainer schnappen und vorher googeln
    Viele Grüße von Susi

  • war zwei Tage unterwegs, aber jetzt…

    ich denke, es ist ein großer Unterschied, ob man Zeit mit Mann und Hund verbringen möchte und sich ganz nebenbei noch etwas mehr bewegt oder ob man eben trainieren möchte. Ersteres finde ich völlig ok – warum auch nicht? Hauptsache, es macht Spaß.

    Ich bezog mich mehr auf die Leute, die Wunder vom Krafttraining erwarten, aber nichts dafür tun. Wobei ich in der Tat überzeugt bin, dass richtiges Krafttraining Wunder vollbringt. Wie Pjotr schon geschrieben hat, sorgt es halt insgesamt für harmonische Körperproportionen. Und hilft übrigens auch Osteoporose vorzubeugen, bei Rückenschmerzen schadet eine gute Muskulatur auch nicht. Ich mag diese Art Training und es tut mir gut, mich zu „schinden“, das gibt mir tatsächlich Energie. Aber man muss es halt mögen 😉