Wie wunderschön es ist, große Kinder zu haben, oder

ich erlebe gerade so eine Art zweite Jugend, oder erstes Erwachsensein ohne Kinder oder wie auch immer ich das nennen will. Jedenfalls ist mein erstes Kind ja schon über 21, mein Sohn ist 16 und meine Kleine ist 10 Jahre alt und hat gerade angefangen, das Gymnasium zu besuchen.

Und da ist etwas passiert, was ich seit 22 Jahren nicht mehr kenne: ich bin von der Arbeit nach Hause gekommen, hatte alles soweit fertig, zu Hause war niemand, und … es war nichts Dringendes zu tun. Ich musste weder sofort kochen noch einkaufen gehen noch die Wäsche machen noch jemanden abholen oder einen Kuchen backen oder die Betten beziehen oder oder oder. Es war kaum zu glauben, und ich habe es auch eine Weile erst mal nicht geglaubt, sondern schlicht gedacht, ich hätte irgendetwas vergessen. Oder meine Pflichten hätten mich vergessen? Keiner da, der etwas von mir will? Braucht mich keiner mehr?

Nee, manchmal eben nicht mehr, und das ist ein großartiges, wunderbares und lange nicht dagewesenes Gefühl. Freiheit. Freiraum. Zeit zum Leben, zum Durchatmen. Zum Meditieren. Zum Yoga üben. Zeit für buchstäblich alles, wofür ich meine Ruhe brauche und was ich machmal abends später auch nicht mehr machen mag.

Und ich glaube, es ist auch gerade rechtzeitig passiert, dass mir diese Zeit geschenkt wurde. Ich habe soviele Jahre multigetaskt, gleichzeitig Kuchen gebacken und telefoniert, gebügelt und auf Kinder aufgepasst und telefoniert, gekocht und über meine Akten nachgedacht und telefoniert undsoweiterundsofort. Ich war oft so dabei, dass ich hinterher nachgucken gehen musste, ob ich die Wäsche wirklich aufgehängt hatte oder es nur vorgehabt hatte, weil ich derweil noch mit den Kindern geredet (und telefoniert) hatte.

Ich kann es einfach nicht mehr. Und ich will es auch nicht mehr. Es ist nämlich gar nicht so schön, alles gleichzeitig zu machen, weil ich dann nie irgendetwas mit dem Herzen mache und alles an mir vorbeifliegt. Ok, es geht nicht anders, es ging in den Jahren mit Berufstätigkeit und Kindern und Haushalt und Garten und Freunden auch nicht anders, aber es muss ja jetzt – ein Segen! – auch nicht mehr sein. Ich bin sehr dankbar!

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