Lancôme La vie est belle

Meine meistgefürchteten Pressemappen: die der neuen Düfte. Ich würde mal gerne wissen, wie es tatsächlich abläuft bei der Entwicklung eines neuen Dufts. Hat jemand eine Idee, eine Vision,eine bestimmte Vorstellung und gibt diese an die Parfumeure, die dann ihrerseits diese umsetzen? Oder hat ein Parfumeur eine Idee, der Duft ist toll und dann gibt es drumherum noch mehr Geschichte?  Oder die schlimmste aller Varianten: man möchte einfach ein Parfum machen, dass möglichst vielen gefällt und demzufolge viel Geld einbringt?

Man weiß es nicht.

Die Story rund um „La vie est Belle“ ist schön gemacht, für uns Frauen hat sich in den letzten fünfzig Jahren viel geändert – aber wie ist es heute?

Die 2010er Jahre. Julian Barnes bekommt den Booker Prize für seinen Roman Vom Ende einer Geschichte… Die Epoche steht an einem Wendepunkt, denn jetzt haben die Frauen zwar alles, sie suchen aber weiter. Sie haben alle Rollen gespielt, Mütter und Ehefrauen, Kreative, Führungskräfte, Geliebte… Sie sind dort angekommen, wo sie es sich niemals hätten träumen lassen. Aber ihnen wird auch immer mehr klar, dass das Glück nicht unbedingt dort liegt, wo sie dachten, es finden zu können. Jetzt wissen sie, dass Vorbilder nicht dazu da sind, um einfach imitiert zu werden. Glück ist eine höchstpersönliche Angelegenheit und nicht von der Stange zu haben. Dass Loslassen wichtig ist für das Erreichen. Es ist der stille Triumph des Seins über den Schein. Die Frauen sind auf dem Weg zu einem Glück, das sie vielleicht nur über Umwege erreichen — aber auf ihrem ganz eigenen Weg. Weniger, aber besser wird die neue Lebensphilosophie. Fern von Zwängen, fern von Diktaten, will jede Frau ihren persönlichen Weg zum Glück wählen. Die Wahl treffen, endlich sie selbst zu sein, ihre Weiblichkeit eingestehen, sie voll ausleben. Sich die Freiheit nehmen, weniger zu besitzen, weniger Rollen zu spielen, aber in jedem Fall das Beste für sich selbst zu leben. Eine neue Ära, die grade erst beginnt.

La vie est belle,

das Leben ist schön, sagt auch der neue Duft von Lancôme. Keinerlei Überheblichkeit liegt in dieser Aussage, sondern einfach nur ein schlichtes Bekenntnis. Ein Parfum als Sinnträger, mit einem Bewusstsein, mit einer Seele.

Soweit Lancôme zur Idee hinter dem neuen Duft.

Der Duft wurde nicht einer, sondern von gleich drei der bekanntesten französischen „Nasen“ erarbeitet: Olivier Polge, Dominique Ropion und Anne Flipo. Und es sollte etwas neues entstehen, der erste feminine Gourmand Irisduft. Die Drei haben alles anders gemacht, es wurde keine (vorgefertigte) Duftbasis verwendet, sondern nur Einzelstoffe. Von diesen nicht zu viele, es sind 63 geworden. Mir kommt das immer noch recht viel vor, aber „moderne“ Parfums bestehen wohl auch manches Mal aus mehr als 200.

Und es wurde noch innovativer, normalerweise wird Iris als Herznote verwendet, bei La vie est belle duftet es von Anfang (Kopfnote) bis Ende (Basisnote) nach Iris. Hinzu kommt Jasmin und Tunesische Orangenblüte als kleiner Akzent und die Essenz aus indonesischem Patschuli. In der Basisnote dann noch weich-warm-zuckriges, Vanille, Tonka-Bohne, Praliné, Cassis und Birne.

Das hört sich von der Papierform her an wie ein Duft, der mir gefällt.

Mein erster Eindruck war auch: schön. Ein tragbarer Duft, nicht blumig, auch nicht zu schwer, ganz toll für den kommenden Herbst und Winter. Der nächste Gedanke war: ich kenne das irgendwoher. Das ist nun ein schwieriges Kapitel, mein Duftgedächnis ist nicht besonders ausgeprägt. Ich weiß bis heute nicht, woran mich der Duft erinnert, aber nach einigem Nachlesen im Internet gibt es da auch verschiedene Ansichten, von daher habe ich mir die Suche gespart.

Ein Duft, der nicht einzigartig ist, trifft eigentlich nicht so ganz meinen Geschmack. Ich mag Parfums auf Anhieb erkennen und ich mag auch nicht duften wie der Rest der Welt. Als ordentlicher Beautyblogger habe ich natürlich trotzdem Probe getragen. Dann trat der erstaunliche Effekt ein: ich stehe morgens vor meiner (sehr) kleinen Sammlung an Düften, überlege, wonach mir ist und in den letzten Wochen ist es ständig La Vie est Belle.

Der Duft ist einfach schön, angenehm, tragbar. Kein Statement wie mein geliebtes Borneo 1834 im Winter, nicht wie in den letzten Wochen sommerlich Frisches von L'Occitane. Einfach schön und zum Wohlfühlen.

(Quelle Bildmaterial: Lancôme, das Produkt wurde zur Verfügung gestellt)

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  • Christiane

    Schön, dass der Duft Dir gefällt – mir persönlich ist er entschieden zu süß. Fürchterlich finde ich ja – aber das bei vielen Produktlancierungen – die Ergüsse der firmeneigenen Poeten. Und was die Aussage „nur 63“ Ingredenzien betrifft, vielleicht hätte Beschränkung geholfen – es gibt wundervolle Düfte, die mit weit weniger Inhaltsstoffen auskommen. So kommt es MIR vor, als hätte man die Erfolgsrezepte der letzten Bestseller zusammengeworfen, um ein everbody’s darling rechtzeitig für den kommenden (vor)weihnachtlichen Kaufrausch auf den Markt zu bringen. Ich persönlich hätte mir – wenn die Firma schon Kosten und Mühen beim Marketing nicht scheut – eine kleine Kante, Ecke gewünscht.
    Aber natürlich will ich Dir Deinen neuen Begleiter nicht vermiesen – so empfinde ich und nicht notwendigerweise Du oder irgendjemand anderer.

  • ah, gib es zu – Du gehörst zu den Frauen, die Nischendüfte mögen und sich damit auch noch auskennen… meine (Raucher-)Nase ist da einfach nicht fein genug 😉

    ich bin da simpel gestrickt und ich mag auch süße Düfte, Vanille und Co. Habe eben meinen Blazer von gestern weggepackt, hatte den Duft in der Nase und dachte: och, ist der schön

  • Christiane

    Ertappt! Und wie gesagt, wenn Du den Duft magst, ist doch alles okay.
    Zur Duftnotenfülle – probier doch mal den Duft von Andy Tauer – Pentachord white aus – der kommt (Überraschung bei dem Namen 😉 mit 5 Duftnoten aus – und ist ein wunderbarer feiner Irisduft.

  • Ich bin letztens in der Parfumerie während meiner Suche nach einem Duft für diesen Herbst auf La Vie est belle gestossen und war sofort angetan.

    Wer Düfte wie Angel oder Wish mag, der wird auch La Vie est belle lieben.

    Wenn Angel und Co. Düfte sind, die wie ein Samtnicki zum hineinkuscheln an einem kalten Wintertag sind, ist La Vie est belle ein leichter Kuschelpulli für den Herbstspaziergang.