Wenn da nicht Guterson draufgestanden hätte, oder

Hilfe, fast hätte ich ein tolles Buch verpasst. Und das nur wegen eines wirklich nicht ansprechenden Covers und eines wenig hinreißenden Titels. Schaut selbst: Ed King von ja, eben von David Guterson, dem Autor, der das wirklich beeindruckende Buch „Schnee, der auf Zedern fällt“, geschrieben hat, auch wenn das schon ein bisschen her ist.

Ich es also doch gekauft, ein Glück, denn es stellte sich als hinreißend im wahrsten Sinne des Wortes heraus, ich habe es an zwei Abenden ausgelesen und war ziemlich unfreundlich zu allen, die mich dabei stören wollten. Die Geschichte ist Ödipus in der Neuzeit, aber so pfiffig in ein Sittengemälde der USA zwischen den sechziger Jahren bis in die Neuzeit übersetzt, dass man den Autor hochleben lassen möchte ob dieser brillianten Idee.

Hinzu kommt die wuchtige Sprache, alleine der erste Satz des ersten Kapitels (ich finde erste Sätze sehr wichtig und sicher für den Autor auch sehr schwierig): 1962 beging Walter Cousins den größten Fehler seines Lebens: Er schlief einen Monat lang mit dem Au-Pair. Ist das nicht vielversprechend, ja beglückend kräftig und so zielführend, in medias res bekommt eine ganz neue Bedeutung. Das Buch wird diesem ersten Satz in jeder Hinsicht gerecht, und über den Plot sage ich gar nichts mehr, denn das muss der Leser selbst erleben. Übrigens eins der wenigen Bücher, wo nicht mal ich zum Ende vorgeblättert hat, obwohl ich das sonst meist mache: Ich wollte mir die Spannung nicht verderben.

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