Zwei wunderbare Bücher über die Liebe, oder

wie zwei so verschiedene Bücher mich jeweils gleich glücklich gemacht haben. Wie ihr ja mitbekommen habt, war ich zwei Wochen in der Sonne, und das geht für mich nicht ohne sieben Bücher (ich war nur so bescheiden, weil wir geflogen sind, wenn wir Auto fahren, nehme ich eine Klappkiste mit, damit es sicher reicht). Die beiden, über die ich hier berichten will, sind einmal Andrea de Carlos „Sie und er“ und zum zweiten Karl Ove Knausgards „Lieben“.

Zwei Bücher, die unterschiedlicher kaum sein könnten, mich aber beide gleichermaßen begeistert haben. De Carlo leicht, spritzig, witzig, Wortkaskaden, wunderbare Bilder und Schilderungen, Knausgard dagegen behäbig, gründlich, genau, tiefschürfend, eher introspektiv. Beide Bücher handeln von der großen Liebe. In „Sie und er“ treffen sich Mann und Frau und brauchen lange, um zueinander zu finden, dann aber tun sie es auf eine so magisch-anziehende Art und Weise, dass der Leserin fast der Atem stockt. Der Autor weiß, wie es ist, wenn die zwei Hälften einer Seele aufeinander treffen, die ein Paar vollkommen sein lassen. Ein wunderbares, liebevolles, anregendes und zärtliches Buch.

Knausgard erzählt seine Geschichte mit seiner Frau, er beginnt eigentlich erst da, als sie sich schon fast gefunden haben, und arbeitet sich an dem Alltag eines Paares, dessen erste Verliebtheit entschwindet und durch drei gemeinsame Kinder in drei Jahren ersetzt wird, ab. Mir als dreifacher Mutter ist eher schleierhaft, wie dieses Paar, das auch noch in finanziell und vor allem räumlich äußerst beengten Verhältnissen lebt, diese Jahre überhaupt überlebt hat. Ich verstehe sehr viel von dem, was der Autor beschreibt und auch viel von dem, was er fühlt dabei, und ich war total fasziniert, dies aus Männersicht zu lesen. Denn Knausgard ist ein liebender, differenzierter und um Fairness bemühter Mann für seine Frau. Hinzu kommt, dass Knausgard ein begnadeter Erzähler ist, und deswegen sollte sich auch niemand von den gut 760 Seiten abschrecken lassen. Jede einzelne ist großartig, der Aufbau des Erzählstranges ist beeindruckend und ich habe mich auf keiner Seite gelangweilt. Ich bin nur traurig, dass ich schon auf Seite 693 angelangt bin. Das erste übersetzte Werk von Knausgard Sterben ist schon bestellt.

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