Hauptsache, dem Willi geht´s gut!

Willi hieß mein Vater. Jahrgang 1926. Einer von denen, die noch Soldat waren im 2. Weltkrieg. Meine Mutter war unwesentlich jünger als mein Vater und wenn ich früher meine Mutter fragte: „Wie geht´s Dir?“, sagte sie immer nach einer kurzen Pause des Nachdenkens im gleichen Tonfall: „Wenn es dem Willi gut geht, geht’s mir auch gut!“

Ich lernte also, dass Frauen offensichtlich emotional nicht FÜR SICH selbst ausgerichtet waren. Sondern in erster Linie angedockt waren an das Wohlgefühl ihrer Partner/Männer. Meine Mutter war nie unglücklich dabei, wenn sie das sagte und auch insgesamt ist sie – bis heute – (sie ist mittlerweile 84 Jahre) eine STARKE FRAU. Sie hat immer auch ihren Willen deutlich gemacht, war keine, die immer nur brav ab genickt hat, wenn Männer zweifelhafte Anekdoten erzählten.

„Erst die Anderen,..dann ich!“ Ist allerdings eine innere Ausrichtung, die ich bis in die moderne Frauengeneration wahrnehmen kann. „Ich kann das erst machen, wenn meine Kinder in der Schule wieder besser sind.“ „Ich werde mich erst von dieser Arbeitsstelle verabschieden, wenn mein Mann wieder glücklich aus Singapur zurück ist.“ „Ich kann doch erst Karriere machen, wenn mein Chef sagt, ich sei dazu in der Lage.“  Wir Frauen können uns so gut unsere Bedürfnisse in die zweite Reihe stellen. Wobei? Können wir es wirklich gut? Mein Eindruck in meinen Beratungen ist: NEIN! Frauen, die ihre Bedürfnisse zu oft zurückstellen, sind oft hochgradig aggressiv. Wenn sie es mal raus lassen. Dann kommt eine Wut! Im Coaching kann diese Wut gut genutzt werden, damit die Bedürfnisse nun endlich zum Leben erweckt werden. Insofern könntest Du Dich fragen, falls Du überraschend schnell in Wut kommst: Was ist eigentlich mein Bedürfnis? Welches Bedürfnis habe ich in diesem Moment? Welche Lebensmotive und Bedürfnisse stecken in mir? Werde immer mehr Gestalterin Deines Lebens(t)raums. Und übrigens: Dein Partner/In wird sich sehr darüber freun, wenn Du dann entspannt und glücklich bist!

  • Ui, das finde ich jetzt insgesamt sehr schlicht zusammengefasst!

    Ich finde es ganz normal, dass das eigene Wohlbefinden auch davon abhängt, wie es den Menschen um mich herumgeht. Das nennt man manchmal Rücksichtnahme und manchmal Liebe. Aber stellt man sich damit in die zweite Reihe, wenn man seine liebevollen Gefühle zeigt?

    Zur Wut gehört meines Erachtens eher, dass andere Menschen meine Bedürfnisse missachten und ich mich nicht dagegen wehren kann.Oder – wenn ich mich wehre – zur Zicke degradiert werde. Dieses Gefühl gegen eine Wand zu laufen, weil mir niemand die eigenen Bedürfnisse zugesteht, das würde mich viel mehr wütend machen Zurückzustehen, damit es meinen Lieben gutgeht.

  • @carlotta:
    genau diese gedanken schossen mir auch durch den kopf, bei der lektüre dieses artikels.

    diese gesellschaftlichen wie psychologischen phänomene zu beschreiben bedarf es sicherlich mehr als ein paar allgemeinplätze.
    allein, es reicht zumindest als denkanstoss und anregung zur diskussion.
    so wird es wohl von kara auch gemeint gewesen sein?

  • Sie sagt doch ausdrücklich, dass das ihre Erfahrungen in ihren Beratungen( also wohl die Problemfälle) sind. Die, die das anders lösen oder händeln, lernt sie ja gar nicht erst kennen.

    Ich finde, das ist ein sehr guter Gedankenanstoß für mich selbst, mal wieder etwas konzentrierter und aufmerksamer im Alltag mit mir, aber oder und auch im Gespräch mit anderen und deren Reaktion auch auf das von mir Gesagte zu sein.
    Danke

  • Hallo Julia,

    danke für Deinen Denkanstoß. Es ist wirklich so,zugegeben bei mir, das der Altag
    die Bedürfnisse und Gedanken meiner Mitmenschen oder die meines näheren Umfeldes,
    verschlungen werden.
    Ich sollte öfters mal in mich selbst hinein horchen.

    danke dafür

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