Ich ärgere mich jetzt einfach nicht mehr so oft, oder

wie läuft das eigentlich mit dem Ärgern? Lasst uns doch mal genau hinschauen: Wie heißt es so richtig? Ich ärgere mich. Niemand anders kann mich ärgern, wie unsere intelligente deutsche Sprache richtig erkannt hat. Jeder sagt es auch so: Ich habe mich heute so geärgert über meine Kollegin/diese Autofahrer/den S-Bahnverkehr/meinen Mann pp.

Was entnehmen wir dem? Dass auch jede/r es selbst in der Hand hat, weniger Ärger zu haben. Nun muss ja jede selbst wissen, ob das erstrebenswert ist. Ich selbst liebe es bisweilen auch, mich gerade zusammen mit gleichgesinnten Freundinnen aufzuregen. Es gibt ja auch ab und zu gar nichts Verbindenderes und Schöneres. ABER machen wir uns nichts vor: Positiv ist das nicht. Jedes negative Gefühl stresst uns seelisch und körperlich. Jede Situation, in der wir es schaffen, geduldig und ruhig zu bleiben, stärkt uns in Bezug auf unser Selbstwertgefühl und in unserer Position anderen gegenüber. Frieden mit anderen Menschen ist etwas, das wir herstellen können, willentlich und jederzeit. Denn wir können uns auf unser Gegenüber freiwillig einlassen, mit ihm oder ihr in Resonanz gehen, dann ergibt sich automatisch eine angenehme Stimmung, Einvernehmen und ein stressfreies Miteinander. Und das ist auch für uns selbst gut. Ich wage einmal zu behaupten, dass man mit fast jedem Menschen einen freundlichen Kontakt haben kann, wenn man das will. Das heißt ja noch lange nicht, dass ich jeden Menschen toll finde, aber ich kann jeden ernst nehmen.

So bergen viele Situationen mehrere Möglichkeiten der Entwicklung. Wenn mich jemand im Supermarkt versucht, vor der Kasse abzudrängen, dann habe ich die Wahl, ob ich darauf ärgerlich reagiere, ihn humorvoll und freundlich vorlasse oder einfach so tue, als sei gar nichts gewesen. Im ersten Fall wird es vermutlich einen verbalen Schlagabtausch geben, der auch bei mir schlechte Laune und das blöde Gefühl, sich nicht gut benommen zu haben, hinterlässt. Im zweiten und dritten Fall habe ich souverän auf den „Übergriff“ reagiert und werde mich daher viel wohler fühlen.

In diesem Sinne: Ärgern wir uns einfach mal jeden Tag etwas weniger, da kommt schon viel zusammen.

  • keimonish

    ….wenn ich mich persönlich ungerecht behandelt fühle aber souverän handle, fühle ich mich danach auch nicht viel besser, ärgere mich, dass so eine Situation überhaupt möglich war und ich denke auch noch ein paar Minuten bis Stunden daran, bis es von einem wichtigeren Ereignis überlagert wird oder ich durch etwas Anderes abgelenkt bin.

    Ärger kann aber auch (bei wichtigeren Dingen als die genannten Situationen) produktiv sein. Nämlich : wenn man sich z.B. über eine verpasste Chance, eine gescheiterte Beziehung oder eine verpatzte Prüfung ärgert…..es nicht seelenruhig hinzunehmen sondern sein Verhalten beim nächsten Anlauf zu korrigieren. Das setzt aber vorraus, dass ich die negativen Gefühle zulasse.

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