Herdprämie: ich kann es nicht fassen, dass sie es tun, oder

wie klientelfixiert kann Bundespolitik noch werden? Die Herdprämie, euphemistisch auch Betreuungsgeld genannt (als wenn Kinder nicht betreut würden, wenn sie Einrichtungen außerhalb der Familie besuchen), wird durchgängig von allen maßgeblichen Institutionen als bildungspolitischer Irrsinn ohne jeden messbaren positiven Effekt auf die Familien erkannt.

So hat jetzt sogar die EU-Kommission sich äußerst kritisch geäußert, wie der focus berichtet. Selbst Frau Schröder, die ja sonst schmerzbefreit den Konservativen gerne jeden Gefallen tut (wir denken noch mit Grauen an ihr Buch über die unnötige Frauenförderung), mag das nicht verkünden und hat keine Pressekonferenz zu dem Beschluss der Bundesregierung zur Einführung des Betreuungsgeldes anberaumt. Nein, sie hat es den Bayern überlassen, schließlich sind das die Einzigen, die das Betreuungsgeld wollen.

Oder, um präzise zu sein und der bayerischen Bevölkerung nicht zu nahe zu treten (wir wollen aus ihrem jahrzehntelangen Wahlverhalten nicht auf den IQ schließen), die CSU braucht das Betreuungsgeld, um ihre vorgestrigen Wähler mit dem Gedankengut aus dem neunzehnten Jahrhundert zu beruhigen, dass alles gar nicht so schlimm ist und Frauen nicht arbeiten gehen müssen, nein nein, da bekommen sie auch noch schön einhundert Euro, später sogar einhundertfünfzig pro zu Hause betreutem Kleinkind.

Nun mag man darüber lachen, und machen wir uns nichts vor, egal wie wichtig die Bayern sich nehmen, niemand außerhalb ihrer Landesgrenzen interessiert sich für ihre Meinung, deswegen muss der Seehofer ja auch immer so ein Geschrei veranstalten. ABER dieses schreckliche Betreuungsgeld wird Kinder von den Kitas fernhalten, die die dortigen Anregungen dringend bräuchten, um ihre Sprachkompetenz zu erweitern.

Und es wird Frauen aus der Berufswelt fernhalten, weil es sich wegen des Betreuungsgeldes noch viel weniger lohnt, arbeiten zu gehen. Und das finde ich ehrlich gesagt ganz furchtbar. Zynisch finde ich, dass Hartz-4-BezieherInnen das Betreuungsgeld nicht bekommen. Da wäre diese Summe doch ganz  gut angelegt, da wäre doch mal ein Besuch im Schwimmbad oder Museum sowie die Mitgliedschaft in einem Turnverein zu bezahlen. Aber dieser Bevölkerungskreis zählt nicht zu den Wählern der CSU, deswegen muss man denen nichts zahlen.

Herzlichen Dank an die Pfeifen in der Regierung, und diesmal meine ich auch ganz ausdrücklich Angela Merkel, das wäre nicht nötig gewesen. Und wo waren Sie eigentlich, Frau von der Leyen??

  • sehr, sehr schön! kann mal jemand diesen text auf einer grossen leinwand vor dem bundestag aufbauen?

  • also ich wäre dafür!

  • keimonish

    Bayern ist nicht das einzige Land…..Thüringen hat es schon und bezahlt es derzeit aus der Landeskasse. Ich will nur hoffen, dass es nicht tatsächlich soweit kommt und das Gesetz verabschiedet wird. Genügend Gegenwind gibt es ja schon und sicher nicht nur aus wahlpolitischer Taktik (für die nächsten Wahlen im kommenden Jahr) heraus.Die Mehrheit der Bevölkerung ist ja dagegen. Obwohl es da gerade aus wahlpolitischer Taktik heraus möglich wäre, die Meinung der „Gegner“noch zu kippen, wegen möglichem Erpressungsversuch,dass ohne Herdprämie keine entsprechende Koalition zustande kommen wird. Hoffnung besteht jedoch noch, dass das Gesetz nicht vom Bundesrat verabschiedet wird.
    Die Herdprämie finde ich auch eine Erfindung der Vorgestrigen, die noch der Meinung sind, Frauen gehören an den Herd:-/ …oder die Bayern rechnen sich aus, dass es billiger wird, die „Herdprämie“ zu bezahlen statt das Geld sinnvollerweise in den Bau von Krippen und in eine qualifizierte Ausbildung von Erzieherinnen zu stecken.DAS wäre doch dann tatsächlich gut investiertes Geld.?!…um u.a. auch den Bildungsauftrag zu erfüllen…..aber so sehen es die Befürworter der „Herdprämie“ offensichtlich nicht.

  • Ich könnte mich immerzu weiter aufregen darüber. Gestrig, vorgestrig, ewiggestrig. Und so unsinnig – die es am dringendsten bräuchten und den Staat am meisten kosten, wenn sie ihre Kinder in die Krippe brächten, die Hartz-4-Mädels nämlich, bekommen es nicht. Die anderen brauchen es nicht wirklich, sondern nehmen es mit.

  • hagen scheffler

    Liebe Janne,
    du hast mit deiner Kritik am Betreuungsgeld vollkommen Recht. Die ausgezahlte „Herdprämie“ fehlt dem Ausbau der Kitas und Krippen (Rechtsanspruch von Eltern auf einen Krippenplatz ab 1.8.13. Wenn Eltern dann wenigstens einen kostenlosen Kita-Platz bekämen, aber sie müssen dafür mindestens 150-200 € zahlen, während andere Eltern 100 bzw. 150 € „Herdprämie“ kassieren. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit? Was hältst du davon, wenn du die Initiativen mit Rat und Tat unterstützen würdest, die das Betreuungsgeld-Problem von Verfassungsgericht untersuchen und klären wollen?

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