Der neue Trabi

Kürzlich bin ich in einer Zeitschrift (ich glaube, es war die US-Instyle) über ein interessantes Phänomen gestolpert und habe mich dann mal in den Tiefen des Internets kundig gemacht. Ich vermute, die eine oder andere Leserin erinnert sich noch an die Zustände in der DDR – sei es aus eigener Erfahrung oder bei Besuchen. Da gab es das interessante Trabi-Phänomen.

Ein begehrtes Gut, dass sehr schwer erhältlich war und in gebrauchtem Zustand teurer als im neuen Zustand war. Marktwirtschaft pur. Gibt es heute wieder – nur die Objekte der Begierde sind deutlich schöner geworden.

Sie heißen Birkin und Kelly und stammen von Hermés.

Der Normalbürger wartete Jahre auf eine neue Tasche, selbst Promis können nicht einfach so kaufen. Man bekommt nach der Wartezeit ein wunderbares Stück perfekter Handwerkskunst aus allerfeinstem Leder. Blöd nur, dass die Wartezeit mittlerweile je nach Taschenwunsch mehrere Jahre beträgt.

Das geht natürlich auch schneller, ich sage nur: Marktwirtschaft. Man nehme also eine gebrauchte (gerne auch ungetragene) Tasche und verkaufe sie entweder selbst oder über geeignete Zwischenhändler, von denen es mittlerweile so einige gibt. Natürlich kann man nicht erwarten, dass man bei einem solchen Verkauf den Originalpreis bekommt. Nein, man bekommt mehr. Und zwar VIEL mehr, je nach Modell auch gerne mal das Doppelte.

Schon erstaunlich, welche Geschäftsmodelle entstehen, wenn es nur genügend Leute gibt, die für Statussymbole nahezu jeden Preis bezahlen.

  • keimonish

    Interessanter Vergleich :-D:-D:-D
    War denn der Trabi für DDR-Bürger ein Statussymbol ? Ich dachte, es hatte „was mit Auto (allgemein)-Mangelware zu tun“ ?! ;-)Was gab es denn für Alternativen ?
    Haben die in der Zeitschrift das tatsächlich Trabi-Phänomen genannt ?
    Porsche und Mercedes, z.B. sehe ich da eher im Zusammenhang mit den Taschen als Statussymbole. Bei genannten Taschen und den Automarken (Porsche/Mercedes) hat man ja genügend Alternativen und es ist Luxus.Einen Trabi als Luxusobjekt zu sehen, fällt mir sehr schwer :-P:-D:-D (auch wenn es derzeit in ganz Deutschland mehrere Trabi-clubs gibt, die jährlich ein Treffen veranstalten mit den tollsten/kuriosesten (kann man kurios überhaupt steigern ? 😉 )Ausführungen. Dass es heutzutage noch so viele Trabi-Anhänger/Fans gibt, in Ost und West….das ist für mich eher ein Phänomen 🙂 (hab mir mal eins in Gelsenkirchen angesehen)
    Aber das Verkaufsverhalten und „Profit-machen“ konnte und kann man schon bei allen genannten Luxus-Produkten und beim Trabi sicher gleich beobachten.

    Aber noch viel cleverer (?!) finde ich da (bei den Autos…bei den Taschen weiß ich es nicht), dass man nichtmal Geld für dieses begehrte Luxusobjekt aufbringen muss,was man sich vllt. auch nichtmal leisten könnte ……
    Man kann/konnte die Bestellung verkaufen !!! DAS können sich ja dann alle leisten, wenn sie darauf aus sind.

  • Es scheint ja Leute zu geben, die auch keine Alternative zur Hermes-Tasche sehen… 😀 ich fand das Phänomen auf jeden Fall bemerkenswert

  • keimonish

    Mit Abstand nochmal gelesen, find ich es eigentlich sogar ganz witzig, gerade den Vgl. mit dem Trabi, wäre mit einem Vgl. zu den Sonderausführungen von Mercedes und Porsche nicht so bemerkenswert…:-)
    Wollte auch mal in den Tiefen des Internets noch andere Dinge darüber lesen, hab aber nix gefunden,ich war wahrscheinlich nicht tief genug 😉

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