Young adults, oder noch ein Film, aber diesmal

einer, den ich nachdrücklich empfehlen möchte. Hier ist der Trailer  für einen wunderbar gnadenlosen Film. Mavis ist Ende Dreißig, frisch geschieden, ihr Traumjob als Schriftstellerin, der sich später mehr als Ghostwritertätigkeit entpuppt, neigt sich dem Ende zu und sie trinkt ganz entschieden zuviel. Soviel nämlich, dass sie eigentlich jeden Morgen in ihren Klamotten wach wird und erst mal überlegen muss, wo und wer sie ist.

Auffallend ist ihre Schönheit (nun ja, was soll ich sagen, sie wird von Charlize Theron gespielt), ebenso auffallend ihre Selbstsucht, fehlende Reflektion der eigenen Wünsche und Bedürfnisse und ihre Ego-Zentriertheit. Nur weil ihr Jugendfreund ihr eine Geburtsanzeige seines ersten Kindes schickt, setzt sie sich von jetzt auf nachher in den Kopf, dass sie ihn als den Mann ihres Lebens zurückerobern will. Sie reist also unter Abspielen einer seiner Cassetten aus früheren Jahren (ich wusste gar nicht, dass es Minis mit Cassettenrecorder gibt) aus der Großstadt back to the roots in die Kleinstadt, aus der sie kommt.

An die Frau ihres Jugendfreundes verschwendet sie ebensowenig Gedanken wie an sein Kind, diesen Einwand wischt sie im Gespräch mit einem Bekannten aus ihrer Jugend mit der Bemerkung, jeder bringe doch sein Päckchen mit, beiseite. Sie ist so schamlos in ihrer Selbstbezogenheit und Selbstüberschätzung, dass der Zuschauer tatsächlich in den Bann dieser schonungslosen Charakterstudie gezogen wird. Mavis geht mit der Sensibilität eines Schlagbohrers vor, und so kommt es auch bald zur klaren Absage ihres Jugendfreundes, der nicht im Traum daran denkt, Frau und frischgeborenes Kind zu verlassen, sondern vielmehr ohne weiteres erkannt hat, dass Mavis schwere Probleme hat. Diese Mitteilung verkraftet Mavis nur schwer, und das Ganze mündet in einer Szene auf der Tauffeier des Babies, die mit der Beschreibung „Zum Fremdschämen“ noch unzureichend charakterisiert ist.

Nun, Mavis findet durch die kritiklose Bewunderung eines früheren chancenlosen Verehrers und dessen Schwester, einem klassischen hässlichen Mädchens, ihr inneres Gleichgewicht, so fragil es auch sein mag, wieder und braust in dem Bewusstsein, viel zu toll für die Kleinstadt zu sein, die sie ja nicht umsonst verlassen hat, zurück in ihr angeblich so fabelhaftes Großstadtleben. Nicht jeder, der älter wird, wird auch erwachsen. Mavis ist schockierend brutal in ihrer Unfreundlichkeit und Rücksichtslosigkeit, aber auch anrührend in ihrer Kompromisslosigkeit. Ich habe ihr zum Schluss alles Gute gewünscht.

Es lohnt sich, den Film im Original mit Untertiteln zu schauen, ich habe eine Menge neuen Slang gelernt.

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