Der zweite Frühling – Beobachtungen erster Teil

Ausnahmsweise möchte ich mal nicht über das Wetter reden (obwohl gerade die Sonne scheint), sondern über den zweiten Lebensfrühling, der in meiner Umgebung in voller Blüte ausgebrochen ist. Dieses altersbedingte Phänomen tritt nach dem 40.ten Geburtstag auf und ich beobachte die Geschehnisse mit gemischten Gefühlen.

Erste Anzeichen konnte ich im letzten Frühjahr feststellen. Nachdem ich mich bei Facebook angemeldet hatte, kamen in erstaunlich kurzer Zeit diverse Freundschaftsanfragen von alten Bekannten aus Schul- und Studienzeiten. Bevor sich jemand wundert: ich habe meinen Namen bei der Heirat natürlich nicht geändert und da es auch kein Allerweltsname ist, bin ich auch einfach zu finden. So weit, so gut. Erstaunlich fand ich dann die doch teils sehr eindeutigen „Kaffeetrink“-Angebote. Hallo? Das sind meistenteils Leute, mit denen ich früher – um es mal so zu sagen – keinen Kaffee getrunken habe und es auch jetzt nicht vorhabe.

Das habe ich noch unter Internet-Absonderlichkeiten verbucht.

Dann erzählte mir eine alte Freundin (Kinder in der Pubertät, seit ewigen Zeiten verheiratet), dass der werte Ehegatte eine Freundin hatte und das ganze nachfolgende Drama. Eine andere Freundin hat beschlossen, der Flaute im Ehebett mit frischem Wind von anderer Seite abzuhelfen. Einer meiner Chefs ist frisch neu veheiratet, ein Ex-Chef hat mit seiner Sekretärin angebandelt (natürlich beide verheiratet samt kleinen Kindern), dann gab es noch eine pikante Geschichte im Zusammenhang mit eindeutigen Aktivitäten im Parkhaus, involvierte Personen hier mal uninteressant.

Fragt man dann mal unauffällig herum, kommen Geschichten zum Vorschein, dass man nur noch staunt. Nein, die in den Dreißigern sind mit beruflicher Etablierung, Kinder kriegen, Haus bauen und ähnlichem mehr beschäftigt. Aber dann, Kinder aus dem Gröbsten oder aus dem Haus raus, Haus so halbwegs bezahlt, Karriere eingetütet…

Die zweite Jugend bricht aus, das ganze Leben kommt auf den Prüfstand, meist ausgelöst durch zwischenmenschliche Irrungen und Wirrungen. Einzüge, Auszüge, Trennungen, Wiedervereinigungen… Das ist an sich nicht verwunderlich, aber ich bin erstaunt ob der Anzahl. Schätzt man die langjährige Verbundenheit und die Gemeinsamkeiten nicht mehr? Oder gibt es nichts neues mehr zu Hause? Oder hat man einfach so die Nase voll vom täglichen Einerlei, dass dringend etwas geändert werden muss? Ich werde weiter beobachten und berichten, ich erwarte angesichts der Temperaturen einen neuen Schwung an Geschichten.

  • Das Phänomen habe ich bei den Freundinnen meiner Mutter beobachtet, als ich noch ein Teenager war, da wurde geflirtet, geheiratet, ins Ausland gezogen, geschieden, bei meiner Mutter ausgeheult, dann der nächste Mann, die eigenen Kinder beim Ex geparkt oder wieder von dort abgeholt etc pp. Ich kam da schon gar nicht mehr mit, innerhalb eines Jahres hatten die soviel durch, wenn sie Stars gewesen wären, hätte die Klatschpresse die reinste Freude daran gehabt. Würde aber nie jemanden verurteilen oder überhaupt auf die Idee kommen, das mir das nicht passiert. Dafür habe ich schon zuviel bei Freunden und Verwandten gesehen, als das ich mich für unfehlbar halte. Der Mensch macht viel falsch, wenn sich Gelegenheit und Neigung treffen. Im Nachhinein kann man eh fast nichts mehr gutmachen und am meisten leiden die Kinder, da ist mir manchmal echt das Herz zerissen, die konnten nie etwas dafür und mussten alles ausbaden, was die Eltern verbockten…

  • Hm naja, vielleicht ist das halt einfach der Zeitpunkt, an dem man merkt, dass man sich eigentlich nicht mehr viel zu sagen und nicht mehr viel gemeinsam hat…Die Kinder werden selbständig, man hat mehr Freizeit und stellt fest, hey, ich habe noch Chancen bei den Männern…die finden mich toll, sexy, verführerisch – das ist ein tolles Gefühl. Und die Uhr tickt, lange wirdndas nicht mehr so sein. Und so frisch verliebt, Kribbeln im Bauch – dafür kann man schon mal mehr als eingetretene Pfade verlassen und auf ein neues, auf DAS Glück hoffen… Und die armen Kinder – die nehmen doch auch keine Rücksicht ….höchst pubertierend is denen doch alles egal und in in ein paar Jahren sind die eh weg und deswegen eine Chance verpassen?? Nö, da ist mir meinLeben schon wichtiger!

  • Mich nervt das so unendlich! Wenn man wieder mal erzählt bekommt, dass und warum eine Beziehung gescheitert ist und was man so vermisst hat und dass man sich doch mehr vom Leben erwartet und und und…

    Oft drängt sich mir der Eindruck auf, dass Männlein wie Weiblein wirklich denken, eine Partnerschaft sei ein ständiger Rausch, Leidenschaft und großes Gefühl NON-STOP. Konflikte oder noch schlimmer, Alltag, sind dann quasi das Aus. Keiner möchte wahrhaben, dass das Leben im Allgemeinen und Beziehungen im speziellen Achterbahnfahrten gleichen!

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