Die Bearbeitung der schwersten Aufgabe Teil 3, oder

wie es weiterging: Meine Familie verzog sich in die Skiferien, insgeheim heilfroh, dass sie von der Haushaltsfron erst einmal erlöst waren. Dafür reiste eine liebe alte Freundin an, die nicht mehr arbeitet und gerne mal nach Berlin kommt, um sich um die Gehbehinderte zu kümmern. Ich war einerseits traurig, dass ich nicht Skifahren konnte, aber es hilft in solchen Situationen ja immer, sich daran zu erinnern, dass man nicht der Mittelpunkt des Universums ist, das relativiert eigentlich jedes Problem hinreichend.

Jedenfalls für mich. Andererseits ist die Ruhe hier sehr schön, meine Freundin kümmert sich wunderbar um mich, und ich kann mal ein bisschen Luft holen und die Situation reflektieren.

Verändert hat sich nicht viel, sie sind immer noch total genervt und weit davon entfernt, neue Pflichten als Selbstverständlichkeit zu nehmen. Mein Mann tut, was er kann (sagt er), lässt sich aber auch immer noch alles ansagen und tritt erst nach der dritten Erinnerung in Aktion. Gefallen tut es ihm auch gar nicht. Nun ja, das kann ich vielleicht auch nicht erwarten, denn Haushalt macht ja auch keinen Spaß, wenn ich ehrlich bin. Ich mache das alles auch nicht gerne. Aber damit haben wir ja auch eine Diskussionsgrundlage für die Neuverteilung der häuslichen Pflichten.

Ich habe mir mich noch mal eine Coaching-CD von Andreas Winter (die aus diesem fabelhaften Buch hier) gegönnt und ganz gezielt an dieser Unfähigkeit, mich gegenüber den Erwartungen meiner Familie abzugrenzen und dann aber dabei auch noch ständig so beleidigt zu sein, was sie mir zumuten, gearbeitet. Nicht neu, aber mit voller Wucht kam die Erkenntnis, dass ich als Kind eben nur dann geliebt, gelobt und belohnt worden bin, wenn ich mich nach den Anforderungen meiner überforderten Mutter gerichtet habe. Das wiederhole ich dann heute, indem ich die realen oder eingebildeten Ansprüche meiner Umgebung erfülle, ob es mir nun passt oder nicht. Und das ist ziemlich dumm, denn heute kann ich doch entscheiden, ob und was ich für jemanden mache, ich muss es nicht mehr tun, schließlich bin ich groß und erwachsen.

Das mag der geneigten Leserin ohnehin klar gewesen sein, aber eines stimmt auch: Den Splitter im Auge der Nächsten sehen wir besser als den Balken vor dem eigenen Kopf. Mein Balken ist um einiges reduziert, und das ist gut so.

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