Die schwerste Aufgabe Teil 2, oder

Langstrecke ist das Anstrengende, den kurzen Sprint bekommt jeder Mann noch hin. Will sagen, meine Familie ist jetzt nach zwei Wochen eigentlich total am Ende. Das Haus auch. Wenn ich nicht meine Putzhilfe hätte, wäre alles zu spät, so ist es nur irgendwie unordentlich, aber nicht schmutzig.

Die Aufgaben für meinen Mann und die Kinder werden nicht weniger, egal, wie oft man sie erledigt, das macht sie richtig fertig. Wie sagte meine Hebamme, als es darum ging, dass die Mutter nach der Geburt keine Hausarbeit machen sollte? Hausarbeit ist behände, aber niemals zu Ende. Damit meinte sie wohl, teilweise schnell erledigt, aber wiederkehrend. Die Erkenntnis, dass es nicht reicht, die Brote am Montag zu schmieren, sondern dass man dies erstaunlicherweise auch von Dienstag bis Freitag tun muss, dass der einmal gefüllte Kühlschrank sich wieder leert, dass die Wäsche immer nachkommt und alle andauernd etwas zu essen haben wollen, überfordert sie schon ein bisschen.

Mein Mann gibt sich Mühe, soweit er kann, wie er sagt. Nun, dass er Bereitschaftsdienst am Wochenende hatte, führte dazu, dass er relativ viel abwesend war, aber warum Freitag, als ich nach einem langen langen Arbeitstag, an dem ich kein Mittagessen bekommen hatte, weil die dortige Kantine zu weit weg war, kein Fitzelchen Brot im Haus war und auch sonst niemand, erklärt das nicht.

Nun mag man finden, ich sei nörgelig, wenn ich keine verschimmelte Wurst auf dem Frühstückstisch haben will. Aber die automatische Erwiderung, ich solle es doch selbst machen, wenn es mir nicht passe, blieb ihm dann doch im Hals stecken. Und so richtig argumentieren kann man dagegen, dass vergammelte Lebensmittel aussortiert gehören, auch nicht. So ein Mist.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen heimlichem und offenem Amüsement und dem totalen Frust, denn natürlich geht es mir auf die Nerven, dass ich nichts machen kann und immer fragen muss. Aber wie sie sich hier tummeln, das freut mich. Und ich schaffe es tatsächlich ganz gut, nichts zu machen, obwohl es wirklich schwer fällt. Aber wenn ich dann auf einem Bein am Küchentresen lehne, fällt sogar mir auf, dass das Blödsinn ist, auf einem Bein zu kochen, auch wenn es theoretisch möglich ist. Und ich merke plötzlich, dass die erzwungene Entschleunigung meines Lebens auch sehr angenehm ist. Es ist zwar ganz praktisch, im Gehen zu telefonieren, aber wenn ich dazu stehen bleiben muss, weil ich nicht gleichzeitig auf Krücken laufen und telefonieren kann (die dritte Hand fehlt halt), dann kann ich auch besser zuhören.

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