Die Bearbeitung der schwersten Aufgabe im Leben Teil 1, oder

wie es nun weitergegangen ist: Ich bin ja wie in dem Einführungsbeitrag beschrieben, nahezu komplett hilflos. Ich kann noch alleine auf einem Bein durch die Gegend hopsen oder auf zwei Krücken gehen, weil ich meinen rechten Fuß nicht belasten darf, und zwar gar nicht. Das ist ziemlich doof, weil ich mit Krücken nichts tragen kann außer einem Rucksack (selbst eine Handtasche haut einem mit dem Gewicht die Krücke an dem Arm, an dem sie hängt, weg) und beim Hopsen Flüssigkeiten dazu neigen, erheblich überzuschwappen.

Die dritte mögliche Fortbewegungsweise ist auf dem Boden zu rutschen, diese benutze ich zum Transport von Getränken, indem ich dabei ein Tablett auf dem Boden von der Küche zum Sofa schiebe, und auf unseren Treppen, und zwar sowohl nach oben als auch nach unten. Gastronomisch bereits geschulte Menschen wie ich können dabei auf einer Hand auch noch ein nicht allzu schweres Tablett mitführen.

Auch die gewohnte Körperhygiene birgt mehr Schwierigkeiten als gedacht. Ganz ohne rechtes Bein hat das linke viel zu tun, und es ist nicht so lustig, auf einem Bein zu stehen, wenn man das andere auf keinen Fall benutzen darf. Anziehen, föhnen, schminken, in die Badewanne, raus aus der Badewanne, wenn ich fertig bin damit, kann ich eigentlich gleich wieder duschen.

Diese unübersehbaren Einschränkungen führen dazu, dass meine Familie den größten Teil der häuslichen Arbeiten übernehmen muss, auch wenn es mir noch gelingt, einen Geburtstagskuchen für meinen Sohn zu fabrizieren oder die Spülmaschine auszuräumen, wenn keiner da ist. Den Rest wie zum Beispiel die Wäsche machen die anderen. Und das führt zu lustigen Unterhaltungen. So ermahnte meine neunjährige Tochter meinen Mann, er müsse nun die Wäsche aufhängen. Auf seine Frage, warum sie das nicht erledigen könne, setzte sie ihm ruhig auseinander, das sei nicht gerecht, denn sie habe schon die ganze Wäsche abgenommen und auf die zuständigen Besitzer verteilt und eine Maschine aufgehängt, nunmehr sei er dran. Ich war einigermaßen verblüfft, weil diese Gerechtigkeitserwägungen auf meine Person noch nicht angewandt worden sind.

Erst wollte ich mich ärgern und mich schlecht behandelt fühlen, aber dann ließ ich das doch lieber und habe mir stattdessen vorgenommen, dass ich mir die Argumente lieber für die Zukunft merke. Denn ich werde ganz sicher nicht, wenn es mir wieder besser oder gar richtig gut geht, alle Aufgaben zurück nehmen, die jetzt so nett von den anderen erledigt werden. Es hat sich fast gelohnt, so eingeschränkt zu sein, weil ich heute morgen meinen Mann beobachten konnte, wie er das erste Mal, seit ich ihn kenne, und das ist schon sehr lange, morgens hektisch in der Küche herumfuhrwerkte und Brote (!) schmierte, die nicht (!) für ihn selbst bestimmt waren! Sogar für mich! Ein Brot für mich, dass ich nicht selbst geschmiert habe, das war wirklich toll und hat superlecker geschmeckt!!

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