Wann ist fliegen eigentlich so entwürdigend geworden, oder

noch eine Art des Reisens, die mir früher mehr Spaß gemacht hat. Nicht, dass ihr denkt, ich würde nunmehr und in Zukunft nur noch meckern und nölen, aber heute ist es mir mal wieder so richtig klargeworden. Ich bin von Zypern nach Berlin geflogen. Flugzeit knapp vier Stunden.

Dafür musste ich um 01.10 Uhr (Ortszeit, in Berlin war es erst 00.10 Uhr) aufstehen, weil der erste Flieger von Ercan nach Istanbul zu der unmenschlichen Zeit von 4.40 Uhr startete und das Reisevieh ja zwei Stunden vorher am Flughafen zu sein hat.  Sie können sich das leisten, weil kaum jemand den türkischen Teil von Zypern anfliegt und daher die Besucher genötigt sind, zu diesen Zeiten zu fliegen. Als ich pünktlich (!) am Flughafen ankam, war niemand zu sehen. Weder am check-in noch an der Sicherheitskontrolle am Eingang.

Nun, da schlurfte nach einigen Minuten jemand herbei, der nicht einmal so tat, als wenn er auf sein komisches Durchleuchtungsgerät schauen würde, sondern lieber beobachtete, wie ich meinen Gürtel ab- und wieder anlegte. Da das Törchen nicht piepste, weder bei mir noch bei den nachfolgenden Fluggästen, gehe ich davon aus, dass sie es abgestellt hatten, weil es ihnen zu lästig war, denn es piepst sonst immer, mindestens bei jedem zweiten Gast.

Eine Viertelstunde nach der verordneten Zeit konnte ich dann einchecken (2.55 Uhr), um dann weitere zwanzig (!) Minuten vor der Passkontrolle zu warten, bis der zuständige Mitarbeiter sein Frühstück beendet hatte (man konnte ihn im hinteren Bereich sehen) und sich herabließ, meinen Pass zu stempeln. Nun ja, so ging die Zeit auch herum.

Als wir dann über das Flugfeld zu dem weit entfernt haltenden Flieger laufen durften, lachte der Mond zu mir herunter, das Paradies duftete nur wenig nach Kerosin, aber stark nach der geliebten Insel, und ich dachte mir, nun ja, auch wenn sie die Sitze wieder noch viel enger geschraubt haben, auch wenn ich mich jetzt gleich von genervten Stewardessen rumschubsen lassen darf („no, lady, we have no second service for tea“), auch wenn ich in Istanbul stundenlang warten muss, bis ich nach Berlin weiter darf, so hat es sich doch wieder einmal gelohnt hierherzukommen. Zypern kann man sonst zwar  noch auf dem Land- und Wasserweg erreichen, aber das dauert vermutlich länger als mein gesamter Urlaub, also beiße ich die Zähne zusammen und fliege.

  • Patricia Schmeykal

    was ich dann immer auch toll finde ist, wenn man dann superfrüh da einläuft und alles hinter sich bringt und am ende ist der flug verspätet. um stunden.
    wenn man dann überlegt wie lange man hätte schlafen KÖNNEN wenn man das gewusst HÄTTE dann bekommt man erst richtig gute laune.

  • noch schlimmer finde ich die Variante, wenn man schon im Flieger sitzt und freundlich darüber informiert wird, dass der Slot weg ist und man in ca. einer Stunde startet…

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