Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter, oder

einige vergnügliche Kicherer habe ich schon losgelassen, während ich das neue Buch von Anja Maier las. Ich kannte sie bisher nur als taz-Kolumnistin mit ihren sehr amüsanten Berichten von ihrer Einssechzigblondine, auch Pubertistin genannt, die mich doch sehr an meine Zeit mit meiner großen Tochter erinnerten. Nun also ihr drittes Buch, erschienen bei Bastei Lübbe (die ersten beiden Bücher fassen die genannten Pubertisten-Kolumnen zusammen).

Der Bericht von drei Monaten Exil am Prenzlauer Berg (die Autorin wohnt sonst im sogenannten Speckgürtel um Berlin, wo die Leute leben, die keine Steuern in Berlin zahlen, aber die Stadt doch gerne ihre nennen und bewohnen) und insbesondere von den „Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern“.

Also, mal zusammengefasst: Das Foto der Autorin über ihrer Kolumne finde ich schöner als das in dem Buch und auf der Verlagsseite. Und ich finde ihre Kolumnen auch besser als das jetzige Buch. Das liegt zum Einen daran, dass es natürlich schwer ist, ein ganzes Buch mit der These zu füllen, dass späte Eltern irgendwie einen an der Waffel haben, weil sie sich und ihre Kinder viel zu ernst nehmen und viel zu wenig erziehen.

Das ist ja sicher richtig, und ich habe das auch schon oft gedacht. Aber das trägt halt nicht so einfach über 252 Seiten, selbst wenn man das Thema so professionell und gekonnt angeht wie die Autorin, die immerhin eine Kinderärztin, eine Hebamme, eien zugezogene Künstlerin, eine alteingesessene Cafewirtin und andere zu Wort kommen lässt und ansonsten ernsthaft recherchiert.

Das Problem liegt in der Grundkonzeption – auch Bascha Mika hatte das Problem, dass ihre These von der Feigheit der Frauen auf Taschenbuchlänge ausgewalzt werden musste. Und mal im Ernst, wie viele tatsächliche Erscheinungsformen des Tanzes um das goldene Kind, der stattfindet, seit die Ware Kind so ungeheuer verknappt ist, kann man schildern, ohne dass es öde wird?

Die Autorin hat einen guten Blick für die Absurditäten des Lebens am Prenzlauer Berg, aber latte macchiato kommt entschieden so oft vor, und irgendwann habe ich schon fast gewusst, was als nächstes kommt. Gut, die Autorin hat mich öfter überrascht, und wie gesagt musste ich auch oft lachen, aber es ist die Frage, ob Durchblättern nicht auch reicht. Wer es haben möchte, kann mir schreiben!!

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