Denken viele Menschen, sie seien alleine auf der Welt, oder

seit wann ist Rücksichtslosigkeit derart in Mode gekommen? Ich beobachte in den letzten Jahren mehr und mehr, dass Menschen immer weniger auf die anderen Menschen um sich herum achten.

Da wird einerseits gedankenlos über den anderen herübergebügelt, egal, ob man sich seinem Mitmenschen in öffentlichen Verkehrsmitteln ganz unabhängig von dem eigenen Gewicht fast auf den Schoß setzt, ihm seine Zeitung ins Gesicht hält, sich über ihn herüber lautstark unterhält, neben ihm in der Nase bohrt oder am Handy über Intimitäten diskutiert (warum glauben Amerikaner, dass niemand ihre Sprache versteht? Liegt das vielleicht daran, dass sie keine Fremdsprachen können?) und was der Unfreundlichkeiten sonst noch so sind.

Andererseits ist das meistgebrauchte Wort unter Jugendlichen in öffentlichen Verkehrsmitteln „Respekt, ey Allda“ –was auch immer das meinen mag. Denn angesichts des sonstigen Verhaltens der Jungs kann es weder um Selbstachtung noch um Wertschätzung der Mitmenschen gehen.

Auffällig finde ich daneben, und das erschreckt mich fast noch mehr, dass selbstverständliche kleine Höflichkeiten wie sich umzuschauen, bevor man eine Tür hinter sich loslässt oder auch, bevor man stehen bleibt und den Weg blockiert, fast nicht mehr stattfinden. Dass das so ist, wird mir immer dann klar, wenn ich ausnahmsweise einem höflichen Menschen begegne und mich schnell erinnern muss, wie eine Frau sich in den Mantel helfen lässt.

Wir sollten nicht vergessen, dass jeder von uns die Rücksichtnahme der anderen schätzt. Bekommen kann man sie aber nur, wenn auch die anderen Rücksicht nehmen, im Umkehrschluss wir eben auch. Denn wir sind alle untereinander verbunden, so dass alles Gute und alles Schlechte auf jeden von uns zurück fällt. Also, entschuldigt den kurzen philosophischen Exkurs: Lasst uns ab morgen damit anfangen, Rücksicht zu nehmen und uns im wahrsten Sinne des Wortes umzusehen, dann wird diese Welt für alle auch wieder ein bisschen freundlicher und schöner.

  • Das Problem beschäftigt mich schon seit Längerem. Mein Mann und ich stellen die zunehmende Abnahme (nette Wortkombi) an Rücksichtnahme fest. Doch da wir uns selten im jugendlichen Milleu bewegen geht diese Kritik auch an unsere Altergruppe. Egoismus steht auf der Tagesordnung, und Alter schützt vor Torheit nicht. Das Phänomen zieht sich durch alle Lebensphasen. Traurig.

  • PS: Dass Emotionen (und dazu zähle ich auch die Reflektion seiner Umwelt die zu Rücksichtnahme führt) heutzutage falsche Wege gehen, zeigt eine Geschichte in der Nachbarstadt: Ein Hundwelpe wurde getötet und eine ganze Stadt jagt den Mörder, die Volksseele kocht. Dass eine Woche zuvor eine Rentnerin ermordet wurde hat niemanden interessiert. Die Werte werden von den neuen Medien vorgegeben, und soziales Miteinander gehören nicht dazu. Niedlichkeit kommt vor Menschlichkeit. Auf den ersten Blick hat das nichts mit Höflichkeit zu tun, hängt in meinen Augen aber ursächlich zusammen.

  • Also, Bärbel, lass uns anfangen, netter zu sein, wie heißt es doch so schön: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wir gucken einfach mal, ob das stimmt.

  • Du sprichst mir da sehr aus dem Herzen! Ich bekomme aus beruflichen Gründen da noch viel heftigere Sachen mit, da sind Respektlosigkeit an der Tagesordnung.
    Ich bin jedes Mal wieder aufs neue schockiert, wenn ich aus Thailand zurückkome. Die Menschen dort gehen so respektvoll miteinander um, sind sehr sehr höflich und sehr hilfsbereit. Es wird selten jemand laut, mit einem Lächeln kommt man viel weiter. Wahrscheinlich liegt das aber auch am Glauben zum Buddhismus. Was wir dort schon an Hilfsbereitschaft erfahren haben, war für mich anfänglich etwas schwierig, da ich als „misstrauischer“ Deutscher immer gedacht habe, wenn der so nett zu Dir ist…pass auf, da stimmt doch etwas nicht! Mittlerweile weiß ich aber, die Menschen sind einfach nur nett, und höflich und wollen einem weiterhelfen. Schlimm, dass wir hier schon so denken, wenn Jemand mal nett ist!

Deine Meinung?