L’Occitane und die Frauen in Burkina Faso

Eher ungewöhnlich für FabForties: wir übernehmen mal einen Pressetext. In diesem Fall  finde ich das aber sehr in Ordnung, denn das Engagement von L’Occitane für die wirtschaftliche Emanzipation der Frauen in Burkina Faso ist einfach nur vorbildlich!

Seit mehr als 20 Jahren bezieht die südfranzösische Kosmetikmarke L’Occitane die Karitébutter für ihre Pflegeprodukte von Produktions-Kooperativen in Burkina Faso, in denen traditionell ausschließlich Frauen beschäftigt sind. Durch den Handel nach Fair Trade Prinzipien und Spenden aus Verkaufsaktionen fördert die 2006 gegründete, unternehmenseigene ‚Fondation L’Occitane‘ Frauen in diesem westafrikanischen Land. Darüber hinaus engagiert sich die Stiftung auch in Frankreich, Brasilien und Bangladesh in drei Sachbereichen: Wirtschaftliche Emanzipation der Frauen in Burkina Faso, Unterstützung sehbehinderter Menschen und die Erhaltung traditionellen Wissens über die Natur.

Eine Frauen-Geschichte

Assétou Nikiema ist Leiterin der UPROKA Kooperative (L’Union des Productrice du Karité), einer Vereinigung von 4.500 Karité-Produzentinnen in Burkina Faso. Früher half sie ihrer Mutter bei der Ernte der Kariténüsse und deren Verarbeitung zu Karitébutter. Heute ist sie verantwortlich für die Qualität, die Rückverfolgbarkeit und den Kundenkontakt der Kooperative, wie z.B. L’Occitane.

Assétou Nikiema hat fünf Kinder. Sie studieren Medizin in USA, Projektmanagement, Betriebswirtschaft in Englisch und Französisch, das jüngste besucht den Kindergarten. Sie kann die Schul- und Studiengebühren für ihre Kinder bezahlen und sich ein Haus in Burkina Faso’s Hauptstadt Ouagadougou leisten.

Assétou Nikiema selbst hat einen Universitätsabschluss (DUTS – Großes Technisches Universitätsdiplom) und ist Trägerin des Verdienstordens (Chevalier de l’Ordre du Mérite). Den erhielt sie für die Gründung der Burkinischen Vereinigung zur Förderung von Mädchen und Frauen (L’Association Burkinabé pour la Promotion de la Jeune Fille/Femme [ABPJF]), der heute etwa 1.500 Frauen angehören.

Eine Frauen-Geschichte, die Mut macht, noch untypisch ist für Burkina Faso, dem ärmsten Land Afrikas, in dem 85% der Frauen weder lesen noch schreiben können.

Sonia Nikiema, eine von Assétou Nikiema’s Töchtern, betreut das Schreib- und Lese-Zentrum Bangre Noma, das die L’Occitane Stiftung aufgebaut hat.

Karitébutter und die wirtschaftliche Emanzipation der Frauen

Als Olivier Baussan 1976 sein Unternehmen L’Occitane en Provence gründete, unterstützte er schon bald die wirtschaftliche Emanzipation der Frauen in Burkina Faso, indem er für die Kariténüsse, die er für die Produktion der Karité Linie benötigte, weit mehr als den üblichen Marktpreis zahlte. Damals, in den 1980ern begegnete Olivier Baussan der Mutter von Assétou Nikiema. 1988 erfolgten die ersten Bestellungen von L’Occitane für die Lieferung der reinen Karitébutter.

Assétou Nikiema hat von L’Occitane gelernt, dass eine nachhaltige Entwicklung möglich ist, wie wichtig eine faire Preisgestaltung, eine zuverlässige, beständige Geschäftspartnerschaft ist. L’Occitanes Investitionen in ein Alphabetisierungs-zentrum, die Lageräume für die Karitè-Kooperative, die Beratung in technischen Fragen zur Logistik, haben eine Basis geschaffen, auf der Assétou Nikiema und ihre Frauen-Kooperative zu international anerkannten Geschäftspartnerinnen geworden sind.

Karitébutter ist eine Frauen-Geschichte

Seit 1996 arbeitet L’Occitane fest mit den Fraueninitiativen von Burkina Faso zusammen. Im fairen Handel und ohne Zwischenhändler erwirbt L’Occitane den Rohstoff für die Karitéprodukte direkt von den Frauen-Kooperativen und unterstützt so maßgeblich deren wirtschaftliche Unabhängigkeit und Entwicklung. Mit der Weitergabe von handwerklichem Know-How und einem Trainingsangebot zur Herstellung und zum Verkauf eigener Produkte, intensiviert und stärkt das französische Unternehmen diese Handelsbeziehungen.

Heute arbeiten mehr als 11.000 Frauen in den Kooperativen mit L’Occitane zusammen – anfangs, in den 1980er Jahren waren es 300. In Zusammenarbeit mit der Regierung von Burkina Faso gelang es der L’Occitane Stiftung, mehrere Bildungszentren zu errichten, die den Frauen und ihren Familien weitere Unabhängigkeit garantieren.

Diese Bildungszentren sind der erste Schritt zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Frauen und zu ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Ziel der L’Occitane Stiftung ist es, dass die Frauen, mit ihrer Tätigkeit ein Einkommen erlangen, von dem sie selbständig leben können. Denn die Frauen sind die Stützpfeiler der Entwicklung in Afrika.

Wenn sie die Mittel erlangen finanziell unabhängig zu sein, kann ein positiver Kreislaufbeginnen. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen lernen sie Dinge, die für das tägliche Leben relevant sind, wie Hygiene, Kinderpflege, Haushaltsführung und Nahrungsverarbeitung. Im Bildungszentrum in Ouagadougou ist nicht nur die medizinische Betreuung der Frauen kostenlos, auch eine Kinderbetreuung wird angeboten, während die Mütter lernen.

Einige Projekte der L’Occitane Stiftung

Mit Partnern verwirklicht L’Occitane in Burkina Faso unterschiedliche Projekte, die alle das Ziel haben, den Frauen zu Bildung, Selbstständigkeit, finanzieller Unabhängigkeit und nachhaltigem Wirtschaften im Einklang mit der Umwelt zu verhelfen.

Frauen werden Unternehmerinnen

L’Occitane und Entrepreneurs du Monde (ETM) sind überzeugt, dass sich die ärmsten Regionen der Welt nur entwickeln können, wenn die Frauen Zugang zur Bildung haben und selbständig werden. Darum stehen auch Buchhaltung, Budgetplanung, kaufmännisches Rechnen und Management ebenso auf dem Ausbildungsplan wie gesellschaftliche Themen. Vor allem ist ETM der geeignete Partner, um den Frauen, die Kleinkredite zu günstigen Konditionen zu vermitteln, die sie zum Aufbau einer Geschäftstätigkeit benötigen. Die Finanzierungsleistungen sind auf die Frauen in den ärmsten Regionen passend zugeschnitten und geben ihnen auch die Möglichkeit, Geld für eine Rente zurückzulegen

Frauen nutzen Sonnenenergie

Die L’Occitane Stiftung arbeitet mit dem Unternehmen Solaria zusammen, das den Frauen in Burkina Faso das technische Know-How zum Bau von Solaröfen vermittelt. Die Nutzung der erneuerbaren Energie macht die Frauen nicht nur unabhängig von teuren und ohnehin kaum vorhandenen Energielieferungen, sie hilft ihnen auch, umweltschonend zu handeln. Das Wichtigste aber ist, dass sie die Technik des Baus von Solaröfen erlernen. Und jede ausgebildete Frau kann das Projekt weitertragen und ihrerseits viele andere Frauen ausbilden.

Frauen stellen Seifen her

L’Occitane bestellte in 2010 37.000 Stück Karité-Seifen bei den Frauen von Burkina Faso. Dank dieser Großbestellung konnte die Nununa Seifenfabrik gegründet werden. Ein Betrieb, der ausschließlich von Frauen gemanagt wird.

Frauen werden mobil

Das Fahrrad ist für die Frauen in einem Land wie Burkina Faso ein großer Fortschritt. In den Ortschaften Gora, Nawbiletew, Mèw and Dakolé beteiligt sich die L’Occitane Stiftung daran, alle Frauen mit diesem Fortbewegungsmittel auszustatten.

“Sponsor a woman’s project”:

Marie Blanche Hien aus Burkina Faso ist eine außergewöhnliche Frau. Sie leitet die Kooperative in Faa I Tuora, die von der L’Occitane Stiftung unterstützt wird. Ihr gelang es, ein Sponsoring-Programm ins Leben zu rufen, das Patenschaften für spezielle Projekte übernimmt: Drei Angestellte von L’Occitane wollten Marie Blanche Hien gezielt bei der Aufbauarbeit in ihrem Ort unterstützen und gründeten die Coordination Parrainages, die Förderungsmaßnahmen für Frauenprojekte mitplant und finanziert, Spenden sammelt, neue Aktivitäten in Burkina Faso initiiert.

Das Projekt wächst international, seitdem Coordination Parrainages auch von den L’Occitane Angestellten in USA unterstützt wird. Mit dem Geld aus aller Welt konnten die Frauen von Faa I Tuora mehr Arbeitsplätze schaffen, durch die mehr Frauen ein Einkommen haben, von dem sie leben können. Dieses Patenschaftsprojekt ist ganz im Sinne der L’Occitane Stiftung, da es eine noch größere, persönlichere Solidarität mit den Frauen schafft.

Es sind Frauen wie Assétou Nikiema, ihre Tochter Sonia Nikiema, Marie Blanche Hien oder Maud Reboul, die Wissen und Bewusstsein erlangen und weitergeben, das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe praktizieren, die die Welt verändern. Nachhaltig.

(Quelle Text: L’Occitane)

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