Dinge, die die Welt nicht braucht, Teil II, oder

warum geht es denn schon wieder los mit diesen entsetzlichen Wahlplakaten? Kaum hat man sich von der letzten Bundestagswahl erholt, die uns Angie in grüner Jacke mit typische Handhaltung und leider ganz ohne Photoshop bescherte, wobei mein persönlicher Favorit diesmal der allseits beliebte Westerwelle beim Bad in der Menge war, einfach wegen der Diskrepanz zwischen Realität und Plakat, wird schon wieder voller Einsatz für die Berliner Wahlen gefahren.

Da drucken und tackern und kleben die fleißigen Parteisoldaten, dass es ein Graus ist. Vor allem haben Landtagswahlen so überhaupt keine Klasse, da werden keine Plakatwände aufgestellt, dafür aber die Laternenpfähle mit Din-A-3-großen Fotos von Menschen, die niemand sehen will, betackert.

Wer kennt schon den jeweiligen Wahlkreiskandidaten, und vor allem, wer will ihn kennen, und schließlich die Frage aller Fragen: Warum denn auch. Machen die doch hier in Berlin sowieso schon immer, was sie wollen, und die Parteien unterscheiden sich letztlich nur durch die Tiefe des Filzes, in dem sie stecken, und die ist proportional zu der Dauer der Regierungstätigkeit.

Außerdem finde ich die Fotos meist noch handwerklich total schlecht, weil unprofessionell, oder – anderes Extrem – so geschönt, dass es schon wieder komisch ist. Da wird dann der moppelige Oppositionskandidat schwarzweiß im günstigen Winkel abgebildet, dass man meinen könnte, er bewerbe sich bei einem gehobenen Partnerschaftsportal um die Liebe seines Lebens. Auch der Regierende Bürgermeister hat sich für schwarzweiß entschieden, sein Plakat gleicht zwischen den ganzen bunten Plakaten der anderen Parteien und Wahlkreiskandidaten einer Todesanzeige statt einer Werbung für die Wiederwahl.

Und nun hängen sie wieder da, bis September brauche ich nicht zu hoffen, dass sie weniger werden, nein, erfahrungsgemäß nehmen sie permanent zu, und abgesehen davon, dass wegen der wenigen Motive sich gähnende Langeweile bis hin zu offener Aggression „Hau ab, du …“breit macht, ist das Allerschlimmste, dass ich genau weiß, dass wir alle als Steuerzahler diese optische und intellektuelle Beleidigung ja auch noch BEZAHLT haben.

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