Leider zu kurz, dieses Buch, aber ansonsten perfekt

oder hättet ihr gedacht, dass der gute alte Briefroman überhaupt noch eine Chance hätte heutzutage? Ich kenne in Buch von Ilkido von Kürthy, die auch e-mails eingestreut hat in ihre Geschichte, weil ihre Heldin die Wohnung mit jemandem getauscht hatte, den sie gar nicht kannte. Aber hier – der Briefroman in seiner reinsten Form, nichts anderes als Briefe und e-mails, in dem Buch mit dem wunderbaren Titel Schweine züchten in Nazareth in quietsch-orange, alleine schon deswegen hätte ich es gekauft.

Ja, ich bin so oberflächlich. Ich lasse mich gerne sehen mit farbenfrohen Büchern mit lustigen Titeln (ich habe auch um das Buch Bitterfotze keinen Schutzumschlag gemacht), das gefällt mir.

Nun, zurück zu dem Familien-Briefroman, noch eine schwere Aufgabe dazu. Es ist keine Liebesgeschichte, sondern die Geschichte eines geschiedenen Ehepaars mit zwei erwachsenen Kindern, von denen die eine immer unglückliche Liebesgeschichten hat und der andere sich als schwul geoutet hat. Nun, sie lässt nichts aus, diese Autorin, oder? Hört es sich an wie ein Haufen Klischees auf Stelzen? Wer jetzt „ja, genau!“ gedacht hat, wird erschüttert sein zu lesen, dass auch noch ein strenggläubiger Rabbi in dem Briefclub mit drin ist. Denn der Vater züchtet in der Tat Schweine in Nazareth und diskutiert darüber brieflich mit einem Rabbi. Das geht jetzt aber schon ein bisschen weit ins Absurde, denkt ihr? Ha, das ist immer noch nicht alles, nein, jemand stirbt an Krebs, jemand wird von einer Zufallsbekanntschaft schwanger und jemand kann mit beidem nicht umgehen, mehr wird nicht verraten.

Kaum zu glauben, aber wahr: Ich kann mich nur der Lobhudelei auf der Rückseite des Buches anschließen, indem ich Christine Westermann (wer auch immer das sein mag) wörtlich zitiere, weil ich ihr nichts hinzuzufügen habe: „Ich habe selten ein Buch wie dieses gelesen. LESEN! Dieses Buch! Ausrufungszeichen!“

Anmerkung von Irit: Christine Westermann arbeitet beim WDR (also sozusagen tief im Westen…. und nicht in Berlin) und macht im Radio eine wunderbare Büchersendung am Samstagabend und noch eine viel tollere Fernsehsendung gemeinsam mit Götz Alsmann (Sonntagabend auf WDR3 – Zimmer frei).

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