Kinder heute oder waren Eltern früher souveräner?

In letzter Zeit erlebe ich es öfter, dass Eltern von Kindern unter sechs Jahren diese wie eine Naturgewalt behandeln, vor der sie fassungslos stehen und deren wie auch immer geartetes Verhalten lediglich mit Kommentaren wie „Sie hat eben einen starken Willen“ oder „man soll Kinder nicht brechen“ quittiert wird.

Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde, ich liebe  meine drei Kinder und fand sie auch in jedem Alter total süß, großartig und toll. Nichtsdestotrotz habe ich mich immer bemüht, ihnen altersgerechte Manieren beizubringen. Ich finde, es ist keine Dressur, wenn Kinder ab zwei bitte und danke sagen, wenn sie etwas bekommen (wollen). Es ist auch kein Zeichen für ein gebrochenes Kind, wenn es auch guten Tag sagt, wenn ich es grüße. Antworten auf Fragen von Erwachsenen halte ich auch nicht für bedenklich. Im Gegenteil bin ich der festen Überzeugung, dass es Kindern im Leben alles einfacher macht, wenn sie gewissen Umgangsformen und auch Tischmanieren verinnerlicht haben. Abgesehen davon, dass mit offenem Mund Essen niemanden amüsiert, ist es auch total eklig, die ganzen Speisebröckchen aufzuwischen.

Es machte mir das Leben leichter, dass ich es nicht akzeptiert habe, wenn meine Kinder vor anderen Leuten Trotzanfälle bekamen. Ich habe ihnen sehr energisch deutlich gemacht, dass das ein für mich unmögliches Benehmen war. Und zu ihrem eigenen Besten haben sie es dann auch meist gelassen. Denn ein Kind, das derart ausrastet, tut das ja nicht zum Spaß, nein, die Kinder sind verzweifelt, das weiß jeder, der sich das Schauspiel mal unbefangen angeguckt hat.

Ich würde mir wünschen, wenn Eltern wieder sicherer würden in ihrem Verhalten ihren Kindern gegenüber. Ich weiß, dass sie es alle gut meinen. Sie lieben ihre Kinder über alles und wollen, dass es ihnen gut geht. Kindern geht es aber nicht gut, wenn sie keine Grenzen aufgezeigt bekommen, innerhalb derer sie sich geschützt entwickeln können. Unsere Eltern haben die Grenzen in der Regel zu eng gesteckt und waren zu rigide, aber sie waren im Gegensatz zu vielen Eltern heute sicher, das Richtige zu tun. Und das kommt bei Kindern letzten Endes dann doch souverän rüber – immer wenn Eltern in der Gewissheit handeln, dass das richtig ist, was sie tun, werden sie damit auch durchdringen.

  • da kann ich nur zustimmen. und ich glaube eher dass die eltern von heute schlicht überfordert sind oder sich nicht die mühe machen wollen.

    es steckt eindeutig mehr arbeit in erziehung als in ’sie hat einen starken willen‘ und man lässt sie einfach machen.

    zumal es den kindern ja auch null hilft wenn sie nicht wissen wo es langgeht. oder wenn sie ausgelacht werden weil sie sich ’schlecht‘ benehmen. oder wenn sie erst spät lernen dass es durchaus konsequenzen gibt wenn man was falsch macht.

    also alles sehr ‚kurzsichtig‘ von den eltern. die kinder sollten das doch lieber von den eltern lernen, die es echt gut meinen (sollten), als von aussenstehenden, die es bestimmt sehr deutlich rüberbringen.

    verkehrte welt.

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