Informationen, die die Welt nicht braucht,

nein, nicht einmal will, oder was denken sich Menschen dabei, in Internetforen intimste Dinge mitzuteilen? Da wird in einem Schönheitsforum ausführlich über die lästigen Blähungen, die die Threaderstellerin seit Jahren quälen, berichtet, und etliche Besucher steigen darauf ein, teilen mit, dass sie auch ständig unter schwersten Blähungen leiden und geben Tips, was man dagegen tun kann.

In einem anderen Thread diskutieren Nutzer über hunderte von Beiträgen, wie man es schaffen kann, die Haare möglichst selten, und wenn, dann nur mit einem Ei zu waschen. Bäh, da juckt mir der Kopf, alleine beim Lesen. Eine andere Nutzerin des Schönheitsforums teilt regelmäßig all die Aufgeregtheiten ihres kleinen Lebens mit uns – eine versierte Dramaqueen, die ihr Publikum gefunden hat. Dass das, was sie heute schreibt, oft mit dem aus früheren „Erlebnissen“ nicht übereinstimmt, stört sie nicht. Wenn es andere stört, fragt sie sich, wie man nur so kleinlich sein kann, von ihr die Wahrheit zu erwarten.

Andere erzählen von ihrem Liebesleben, ihren finanziellen Problemen, dem Stress mit ihrem Vermieter – es scheint kein Thema zu geben, das zu privat wäre, um es zu teilen. Nein, es ist sogar strafrechtliche Relevanz zu erkennen, wenn etwa  ganz ungeniert gefragt wird, wie man es im Rahmen einer Privatinsolvenz am besten anstellt, das Kraftfahrzeug zu behalten, sprich, wie man tatsächlich vorhandenes Vermögen den Gläubigern vorenthält.

Es scheint für manche Menschen schwierig zu sein, im Netz den erforderlichen Abstand zu wahren und sich daran zu erinnern, dass nichts verschwindet, alles für immer auffindbar bleibt und dass es auch immer wieder aufmerksame Leser gibt, die sich erinnern. Oder sogar gezielt nach Informationen suchen. Man sollte sich daher immer fragen, ob man das, was man da gerade schreiben will, wirklich jedem für alle Zeiten mitteilen will!

 

  • Hmm, grundsätzlich gebe ich dir Recht, vor allem mit dem letzten Teil deines Artikels, aber ich gebe zu bedenken:
    Manche Menschen haben Probleme, die ihnen wirklich das Leben schwer machen können, für Außenstehende aber nur skurril und eklig erscheinen, wie das von dir erwähnte Beispiel mit den Blähungen oder übermäßigem Schweiß (wo man hilfreiche Kommentare bekommt: Ihh, dusch dich halt öfter, benutze Deo o.ä. – herzlichen Dank fürs Verständnis) oder was weiß ich. Im Bekanntenkreis kann man sich keinen Rat holen, Ärzte haben nur Sprüche parat – da bieten Internetforen doch einen relativ anonymen Rahmen und können durch den Austausch mit ebenfalls Betroffenen das Leben sehr erleichtern. Das Gleiche gilt für ernstere Dinge wie Depression, unerfüllten Kinderwunsch u.ä.
    So etwas in Plauderecken zu tun, wo viele andere Nutzer im Prinzip ohnehin wissen, wer man ist, ist natürlich bescheuert, das gebe ich zu 😉

  • Was ist denn so schlimm daran über Blähungen zu sprechen. Das Leben ist nicht nur Beauty und Lifestyle.

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