Die großen Rätsel der weiblichen Menschheit Teil I oder

warum kann mich eigentlich ein professioneller Visagist nie so schminken, dass es mir auch gefällt? Egal wie oft ich Termine an Countern ausgemacht habe, ganz egal, was ich vorgebe, wie ich mich beschreibe, immer sehe ich hinterher so aus, dass ich schnellstens nach Hause und mich abschminken will.

Als damals vor ungefähr fünfzehn Jahren Bobbi Brown ihren ersten Counter in Deutschland aufmachte, und zwar zu meiner Freude im KaDeWe, habe ich sofort einen Termin ausgemacht und bin da morgens hin. Ungeschminkt, was war folgerichtig, aber vielleicht ein Fehler war, im Nachhinein betrachtet.

Jedenfalls kam diese echt hübsche Frau, die auch supertoll und vor allem supernude geschminkt war, und ich erzählte ihr, dass es mir hauptsächlich um foundation und concealer ginge, dass ich nie Lidschatten und überhaupt wenig Farbe um die Augen verwandte und bat sie, mich zu schminken. In vollem Vertrauen, weil sie ja selbst so gut aussah.

Es graute dem Morgen, als sie fertig war. Ich sah aus wie ein Clown, dicke Rougebalken, vier farbintensive Lidschatten und fast überhaupt keine Wimperntusche. Ich kaufte eilig die foundation, den concealer, Schwämmchen und Pinsel, Puderlidschatten zum Lidstrichziehen (geleyeliner gab es noch nicht) nebst passendem Pinsel und flüchtete nach Hause, um mich zu waschen.

Mein Mann starrte mich an und fragte, ob ich das ernst meine. Nein, natürlich nicht. Als ich ihr sagte, dass mir das nicht gefalle, und ich lieber so ausgesehen hätte wie sie, meinte sie, ich sei ein ganz anderer Typ (stimmt), der mehr Farbe bräuchte (stimmt nicht).

Seit ich die Visagisten bei Bobbi Brown besser kenne, ist es etwas leichter geworden, das auftragen zu lassen, was mich interessiert, und zwar in dem Stil, in dem ich mich sonst auch schminke. Aber unvergessen auch hier der Tag, als Petra mir mal zwei creamy Lidschatten verblenden wollte und dazu ballet pink und einen tiefen Lilaton wählte. Es sah grauenhaft aus (siehe oben). Und ich werde auch nie vergessen, wie die Münder meiner beiden (zehn- und zwölfjährigen) Nichten aus Osnabrück, die ich vor dem KaDeWe mit ihren Eltern traf, die ganze Zeit offenstanden, während ich smalltalkte und so tat, als wenn nichts Besonderes wäre…

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  • DAS ist mir auch passiert – der YSL Mensch machte aus mir eine Transe! Alle haben mich angestarrt – ich trug nämlich an dem tag ein Holzfällerhemd, Jeans und Trekkingschuhe. Werde ich nie vergessen – ich ging erhobenen Kopfes durch die Gegend und dachte dabei „Ich sterbe“. Daneben meine beste Freundin mit dem perfekten Nude-Peach Look. AAAAAH!

  • Hallo,

    eine tolle Story – ich musste wirklich darüber schmunzeln.
    LG
    Birgit

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