Grundsätzlich bin ich begeisterte Nutzerin des Internet

und all der Möglichkeiten, die sich mir da auftun, als da sind Informationen in Hülle und Fülle abrufen, Surfen auf der Suche nach schönen Dingen, shoppen um Mitternacht zu günstigen Preisen, Vorbestellen von Büchern vom Schreibtisch aus, Austausch mit Gleichgesinnten über Klamotten, Schönheit und anderes, und last but not least die ungemeine Arbeitserleichterung, die online-Datenbanken mir  beruflich gebracht haben.

Ich finde die Möglichkeit, sich über diesen blog mitzuteilen, großartig. Entgegen meiner ursprünglichen Erwartung finde ich auch unsere Präsenz bei facebook viel besser, als ich dachte, und sogar mein persönlicher account macht mir mehr Spaß als alles andere.

ABER wenn ich heute morgen in der Zeitung lese, dass es Seiten wie die mit Namen Isharegossip.com gibt, die nach Äußerung des Betreibers Rachgefühle und die Feigheit der Nutzer bedienen (Quelle: taz vom 23.März 2011), indem sie Gelegenheit zu anonymen Äußerungen bieten, dann bin ich besorgt. Anfang letzter Woche war ein Gymnasium in Zehlendorf zwei Tage geschlossen, weil auf der genannten Seite eine Amokdrohung veröffentlicht worden war.

Heute steht in der Zeitung, dass ein Mädchen auf dieser Seite derart übel beschimpft, neudeutsch gemobbt oder gedisst worden sei, dass es zu einer Schlägerei zwischen ihrem Freund und anderen Jugendlichen gekommen sei. Ich habe selbst Kinder in dem betroffenen Teenageralter, mit denen ich natürlich über die Gefahren und Probleme des Internet und der betreffenden Seiten spreche. Nichtsdestotrotz kann man den Eindruck gewinnen, dass davon wenig hängen bleibt.

Beispielsweise erzählte mir mein Sohn, die Tochter meiner besten Freundin in einer anderen Stadt habe bei SchülerVZ mitgeteilt, neudeutsch gepostet, dass sie total verkatert gewesen sei. Meine Freundin fand das sehr interessant, als ich es ihr erzählte. Schlussendlich stellte sich heraus, dass das Kind nur angegeben hatte, aber trotzdem. Es scheint noch nicht verinnerlicht, neudeutsch gecheckt worden zu sein, dass die ins Netz gestellten Informationen allgemein zugänglich sind, jedenfalls für jedes Mitglied des entsprechenden Netzwerkes. Die Freundinnen des genannten Mädchens haben neulich nach einer wilden Party Oben-ohne-Fotos eingestellt.

Die Frage ist, ob es etwas nützen würde, so offenkundig sinnlose und schädliche Seiten wie Isharegossip.com abzuschalten. Ich denke eher nicht, dann gibt es morgen eine andere, ähnliche, denn der Bedarf ist ja offenbar da. Obwohl ich nicht eine einzige Äußerung, ohne die die Welt nicht hätte weiterexistieren können, gefunden habe, als ich da eben unterwegs war. Nein, ich glaube wir müssen mit den Kindern noch mehr und deutlicher sprechen, damit hier ein Problembewusstsein entsteht, auch für die Persönlichkeitsrechte der anderen.

Deine Meinung?