Man nennt mich gerne ungeduldig, aber

das Schlimme ist, dass niemand wirklich weiß, wie ich innerlich rase, wenn alles wieder so lange dauert… Wenn der Groschen mal wieder pfennigweise fällt, wenn das Gegenüber nicht wirklich zuhört und erst am Ende meiner Ausführungen mit „ach ja, das ist interessant…“ (ganz gedehnt, was mir zeigt, dass fieberhaft überlegt wird, was ich denn nun eigentlich gesagt habe) reagiert, wenn…

die Kinder nach der fünften Bitte, nunmehr ihre Jacke aufzuheben oder den Tisch abzuräumen, immer noch nicht reagiert haben, wenn der Vordermann in aller Ruhe Sightseeing betreibt, immer mal wieder langsamer wird, ohne zu blinken oder sonstige Zeichen zu geben, nach rechts und nach links zeigt, wenn der extra vereinbarte Termin beim Arzt mal locker um 45 Minuten überzogen wird (länger warte ich auch nicht, wenn ich einfach hingehe, wenn mir danach ist), wenn die S-Bahn nicht pünktlich kommt, wenn das Telefon keine Verbindung hat, wenn der Vordermann an der Tankstelle noch in aller Ruhe sein Wischwasser nachfüllt und den Ölstand kontrolliert (jaja, ich weiß, das sollte man regelmäßig tun, aber doch bitte während das Benzin in den Tank läuft), wenn der Computer sich aufhängt, die Internetverbindung hakt, die fast fertige Internetbestellung abbricht und die aufgerufene Seite lädt und lädt und lädt….

Schon vor Jahren sagte ein Berliner Müllwagenfahrer, der mir einfach vor die Nase gefahren war, und das bei regenglatter Straße, so dass ich knapp anhalten konnte, was mich zu affektinkontinentem Hupen brachte, zu mir: „Mädchen, du musst noch viel ruhiger werden!“ Abgesehen davon, dass ich mich nie schneller aufrege als auf die Aufforderung hin, mich zu entspannen, zu beruhigen oder mal locker zu machen, frage ich mich immer: WIE denn bitte.?? Wie denn, wenn das Leben eine Schlagzahl hat, die zur Eile zwingt?

Wenn ich nicht in vielen Dingen sehr schnell wäre, hätte ich alles Mögliche, unter anderem die Berufstätigkeit bei drei Kindern, einfach gar nicht geschafft. ABER heute ist es nicht mehr so eng und eilig. Die Kinder sind größer, die kleinen und großen Katastrophen (Mandelentzündung, Windpocken und das am Sitzungstag) bleiben aus. Ich würde es nervlich auch gar nicht mehr schaffen und ich muss nicht mehr so hetzen.

Ich glaube, es ist genauso wie damals, als meine erste Tochter nach einem Jahr endlich im Wesentlichen durchschlief. Da habe ich noch ungefähr zwei Monate nur auf der Sofakante gesessen, weil es noch nicht bei mir angekommen war, dass ich jetzt nicht gleich wieder aufspringen müsste. Ich gebe mir mal ein bisschen Zeit zu fühlen, dass der Mega-Stress vorbei ist – ja, wenn das nicht schon der Anfang wahrer Zen-Meisterschaft ist!

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