Was dem einen seine Eule…

… ist dem anderen seine Nachtigall, sagte meine Großmutter gerne, allerdings auf Plattdeutsch, das würde hier niemand verstehen. Will heißen, was der eine großartig findet, kann den anderen gelinde gesagt befremden. So fahre ich derart gerne Ski, dass ich dafür auf jeden Strand-, Wander- oder Kultururlaub verzichten würde. Andere können damit überhaupt nichts anfangen, weil sie entweder Höhenangst haben *Hilfe, ich falle bis ins Tal* oder es lieber warm haben oder Skifahren schlicht langweilig finden.

Dafür ist die Vorstellung, mit Golfspielen anzufangen, für mich gleichbedeutend damit, nun endgültig jenseits selbst der Midlifecrisis angekommen zu sein. Unvergessen der Spruch dazu, nein danke, man habe noch Spaß im Bett und müsse noch nicht Golf spielen. (Anmerkung von Irit: mein Fitnesstrainer betreibt auch einen Golfclub, der relativ günstig ist und mit dem Spruch „Für alle, die noch Sex haben“ wirbt…).

Segeln ist auch so eine in meinen Augen überbewertete Tätigkeit, zusammengefasst die teuerste Art, richtig unbequem zu verreisen. Ich habe Bekannte, die nichts lieber tun als segeln, gerne auch noch zu zweit, wochenlang alleine. Ich weiß positiv, dass die Beziehung zu der Liebe meines Lebens eine solche Belastungsprobe nicht überstehen würde. Wir brauchen klar getrennte Verantwortungsbereiche. Niemals wäre zu klären, wer bestimmt!

Dann habe ich viele weibliche Bekannte, deren größter Wunsch es ist, in der Hauptstadt angekommen mindestens den ganzen Tag, wenn nicht auch noch morgen, shoppen zu gehen. Nicht, dass ich nicht gerne einkaufe, um Himmels willen, ich liebe es, aber in Maßen. Sprich, auf meine Art. Das geht schnell und effektiv und dauert nicht länger als zwanzig Minuten pro Laden, und es werden auch nur zwei Schuhgeschäfte, zwei Beautycounter und zwei Klamottenläden aufgesucht. Das reicht. Danach könnte ich schreien, wenn ich keinen anständigen Kaffee und eine Zeitung oder ein anregendes Gespräch dazu bekomme. Ich finde auch nicht, dass alles angefasst/anprobiert/berochen und diskutiert werden muss. Sieht man doch, ob das was ist oder nicht. Ich jedenfalls für mich.

Deswegen gehe ich eben auch Skifahren und nicht Golfen oder Segeln. Und meinen Besuch statte ich mit Stadtplan, Netzkarte der öffentlichen Verkehrsmittel und einer Tageskarte aus und verabrede mich am Spätnachmittag zum gemütlichen Kaffeetrinken, dann tun die Beine weh(ihr) und ein geruhsamer Plausch (wir) ist möglich.

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