Frauenquoten-Hinundher

Ich kann mich noch recht gut erinnern, als ich vor dreißig Jahren zum ersten Mal etwas über Frauenquoten gelesen habe. Das waren Zeiten, als Frauen noch nicht zur Bundeswehr durften und die Lage insgesamt eine gänzlich andere war als heute. Die Diskussionen und Argumentationen in letzter Zeit haben mich doch sehr zum Nachdenken gebracht und das hier wird mit Sicherheit nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema hier sein.

Fragt man Frauen um die Dreißig nach der Quote, kommen meist Kommentare in der Richtung „das ist doch heute nicht mehr nötig“ oder „ich möchte keine Quotenfrau sein“. Fragt man dagegen Fortysomethings, lauten die Antworten eher „hätte man längst machen sollen“ oder „offensichtlich geht es nicht ohne“.

Ich habe ganz altersgruppengerecht früher auch zur ersten Fraktion gehört, heute denke ich, dass es zwar viele Illusionen zum Thema weibliche Karrieren gibt, die der Realität aber leider nicht stand halten. Ich kann mich ganz gut erinnern, wie viele gut ausgebildete, intelligente und nette Frauen es früher in meinem Umfeld gab. Leider sind sie fast alle irgendwo steckengeblieben oder gar nicht mehr da.

Woran liegt es?

Der Hauptvorteil einer Frauenquote liegt meiner Meinung nach darin, dass es das Vehikel ist, um „nicht-männliche“ Karrieren zu ermöglichen. Denn ich beobachte schon, dass Frauen, die auf Kinder verzichten und 60 Stunden in der Woche arbeiten, gut vorankommen. Der Rest – womöglich auch noch, igitt, in Teilzeit, hat schlicht keine Chance. Gäbe es aber eine Frauenquote, wären die Unternehmen gezwungen, auch  Frauen zu fördern, die eben NICHT 60 Stunden arbeiten und auch Kinder haben – denn ansonsten gibt es ein schlichtes Mengenproblem. Wäre auch eine Chance für Männer, die ihre Familie zwischendurch mal sehen wollen.

Es gibt viele Argumente Pro und Contra und wir werden auch noch mehr dazu schreiben, aber ich muss mich jetzt erst noch über einen Beitrag im aktuellen Spiegel aufregen. Da schreibt ein Mann tatsächlich, dass es ja den Frauen im allgemeinen nichts nützt und nur eine sehr geringe Anzahl profitiert. Bullshit sage ich. Wer Vorstandsposten mit Frauen besetzen will, braucht in den Managementebenen unten drunten eine ausreichende Zahl an Potentials, die das große Ziel (wer es denn hat) erreichen können. Ganz oben mag es dann noch dünn ausschauen, aber weiter unten werden Frauen erheblich bessere Chancen haben.

Und vielleicht erlebe ich einen fernen Tages noch, dass man beim Wort „Führungskraft“ nicht immer nur an einen Mann denkt.

  • Ein sehr interessanter Artikel zum Thema im aktuellen Spiegel:
    GLEICHSTELLUNG – Flotte Feger am Riesenrüssler: Für die Berliner Stadtreiniger war klar, dass nur harte Kerle ihren Job machen können. Dann übernahm ausgerechnet eine Frau den Chefposten – und führte die Quote ein.

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