Pubertierende Kinder und ihre Bedürfnisse oder hört das eigentlich nie auf?

Neugeborene brauchen die mütterliche Zuwendung rund um die Uhr, Kleinkinder schlafen schon mal nachts durch, wenn man Glück hat, Kindergartenkinder sind tagsüber betreut und Schulkinder haben heutzutage bald soviele Termine wie man selber. Die tatsächliche zeitliche Beanspruchung als Mutter sinkt folglich mit den Jahren, sofern Mutter nicht klammern muss, kontinuierlich.

Aber dann kommt der backlash und zwar dann, wenn man gar nicht damit rechnet. Als meine erste Tochter 13 Jahre alt war, wurde sie unberechenbar. Einerseits wollte sie möglichst wenig mit mir zu tun haben (Lass mich in Ruhe! Geh raus, ich habe zu tun! Was willst du? Ja, nun hast du mich ja gesehen, und tschüss! Kannst du nicht anklopfen?), andererseits war sie je nach Gemütslage anhänglich wie ein Kleinkind und brauchte mich plötzlich an allen Ecken und Enden. Das passte nun wieder schlecht zu meiner damaligen Lebensorganisation, die einerseits auf Arbeit, andererseits auf die, wie ich bis dato annahm, berechenbaren Bedürfnisse dreier Kinder ausgerichtet war.

Nun wollte sie mit mir reden. Klar, kein Problem, vielleicht heute abend, wenn die Kleinen im Bett sind? NEIN, jetzt oder gar nicht. Und wenn dann gar nicht, weil es einfach nicht ging, dann kam das auch noch ein paar Mal als „Nie hast du Zeit für mich, das war ja immer schon so, immer geht es nur um die Kleinen“ zurück. Oder zusammen ins Kino „Oh, du gehst in X? Da wollte ich auch rein!“, aber dann beleidigt sein, weil mein Mann auch mitkam, was schon lange klar war: „Nie hast du … (siehe oben)“. Auf den Vorschlag, man könne sich doch auf einen anderen, dann gemeinsamen Abend verständigen, NEIN, jetzt oder gar nicht, und wenn gar nicht, siehe oben. Im Grunde hätte ich es ihr nur recht machen können, wenn ich zu einer Kreuzung zwischen wohlerzogenem Butler und Geldautomaten mutiert wäre, dann auf die Nerven gehen sollte ich ihr natürlich nicht, aber schon da sein, wenn ihr etwas einfiel.

Das Ganze summierte sich im Erleben meiner Tochter zu einer endlosen Geschichte der Vernachlässigung ihrer Person durch mich, die sie mir irgendwann, als wir ein Tochter-Mutter-Wochenende in Prag verlebten, in allen schmutzigen Einzelheiten von „Du hast mir die Butter immer viel zu dick aufs Schulbrot geschmiert!“ über „Ich wollte so gerne Geige spielen lernen und durfte nicht!“ bis zu „Du hast dich doch immer nur für deine Arbeit interessiert!“ vor den Latz knallte. Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben. Mittlerweile hat sich ihre Sicht der Dinge auch etwas relativiert, aber sie kann es immer noch, wenn es ihr schlecht geht, in diese absolute Eigendrehung verfallen. Zum Glück ist es weniger geworden, so dass ich berechtigte Hoffnung habe, dass sie doch nach und nach erwachsen wird. Das ist schon viel, manche Menschen verlieren dieses Bedürfnis, die Welt möge sich um sie und nur um sie drehen, nie!

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