Näglein, Näglein an der Wand,

welche Lack macht denn nun die schlankeste Hand? Oder so ähnlich stellt sich mir seit Jahren die Frage: Nagellack ja oder nein? Ist das noch altersgerecht? Gefällt mir das noch? Macht das nicht zuviel Arbeit? Nachdem ich vor sieben Jahren feststellte, dass Nagellack auf meiner nagelneuen weißhochglanzlackierten Küche Streifen um die Edelstahlgriffe hinterließ, wo auch immer ich angefasst hatte, war die Sache für mich erst mal erledigt (ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie ich das wieder entfernen sollte, schließlich waren die Schränke ja auch lackiert!!).

Bis letzten Dezember 2009. Bis zum Chanel Particuliére. Ja, bis zu dem Lack, von dem Frauen noch im Juni 2010 sagten, sie stünden auf Platz 49 der Warteliste in der Parfümerie. Der Lack, von dem ich nicht zugegeben habe, gleich zwei Flaschen gekauft zu haben, als er herauskam, einfach, weil ich ihn genial fand, lange, bevor es ein Hype wurde. Als ich ihn einfach in der Parfümerie meines Vertrauens kaufen konnte. Ich hatte Angst vor Überfällen, falls es bekannt würde.

Was mit der Küche ist? Nun, mittlerweile hatte meine neue wunderbare Putzfrau herausgefunden, dass Lackstreifen von Hochglanzoberflächen mit diesen Schmutzradierern, die man anfeuchtet, wunderbar und rückstandsfrei zu entfernen sind. Und ich war verliebt in den Particuliére. Auch wenn unbedarfte Zeitgenossen fanden, er sähe „gammelig“ aus, der Mann einer Freundin fragte, ob man das „oliv“ nenne und meine Kinder die Nasen rümpften- während mein Mann den Vogel abschoss mit der Bemerkung, der Lack erinnere ihn an die Omas in dem Café seiner Kindheit. Ich fand und finde ihn sophisticated, cool und vor allem perfekt auf fingerkurzen Nägeln, denn länger können meine nicht mehr sein wegen der Tastatur. Und meiner andauernden Betätigung darauf.

So bin ich nun wieder an den Nagellack gekommen und sogar schüchtern zum Rouge Noir aufgestiegen. Ich mache es nicht immer, nicht einmal oft, aber wenn, dann freue ich mich an meinen gepflegten Händen und nicht zuletzt daran, dass mein Leben, nachdem drei Kinder aus dem Gröbsten heraus sind, für diese kleinen Spielereien wieder Zeit aufweist.

Und ja, es sieht auch über 40 gut aus, finde ich. Wenn die Nägel nicht zu lang sind. Es macht schöne Hände und hat so etwas Extraweibliches.

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