Natur pur oder mit nacktem Gesicht vor die Tür?

Ach wie gut, dass keiner weiß, dass ich eitles Mädchen heiß… oder so ähnlich heißt es doch schon bei den Gebrüdern Grimm. Mich fragte neulich meine Freundin, mit der ich immer Sonntagmorgens um den See laufe und hinterher noch ein erfrischendes Bad darin nehme (im Winter nicht!), ob sie da Lipgloss auf meinen Lippen sehe. Leicht beschämt musste ich das einräumen.

Dass ich überdies noch hellen Kajal auf der Wasserlinie, eine leichte Foundation und Cremerouge aufgelegt sowie mich ausführlich mit einem  Duftwasser eingesprüht und natürlich meine Zähne geputzt hatte, ist ihr nicht aufgefallen. Zum Glück, denn sie schien schon über den Gloss, der keiner war, sondern ein Creamy Lipstick von Bobbi Brown, erstaunt.

Nun muss ich zugeben, dass ich allenfalls zur Mülltonne ganz ungeschminkt gehe. Selbst da ist es mir peinlich, wenn ich meinen neuen Nachbarn treffe – obwohl der neulich einen Bademantel an hatte, der Augenkrebs verursachen könnte. Und auch wenn ich zweimal die Woche alleine joggen gehe, dann trage ich die oben genannten Produkte auf.

Schließlich könnte mich jemand sehen. Das ist auch gar nicht so unwahrscheinlich, weil ich jedenfalls Sonntag am Schlachtensee schon Kollegen, Eltern von Mitschülern meiner Kinder sowie den Geschäftsführer des Krankenhauses, in dem mein Mann arbeitet, und alle möglichen Bekannten getroffen habe. Und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass so was am Teltower Kanal oder hinterher beim Einkaufen passiert. Das geht ja wohl nicht mit nacktem Gesicht. Jedenfalls nicht für mich.

Ich finde immer, man sollte seinen Mitmenschen nicht alle Illusionen rauben. Und ich will mich ja auch noch wohlfühlen. Mag sein, dass das mancher oder manchem Anderen übertrieben erscheint. Mag sein, dass es übertrieben ist. Aber ich bin doch nicht Mitte Vierzig geworden, um mich in solchen Fragen nach anderen zu richten. Oder? Also werde ich das weiter so handhaben. Genau, wie ich mich NIEMALS mit abgeblättertem Nagellack auf den Füßen zeigen würde. Eher behalte ich bei 35 Grad im Schatten die Schuhe an. Mir ist da eine spanische Bekannte Vorbild, die bei ähnlichen und höheren Temperaturen in Jeans und Stiefeln durch Barcelona rannte und auf meine befremdete Frage nach einem Sommerkleid antwortete, niemals am Donnerstag in ungeraden Wochen, denn ihr Termin zur Enthaarung von Beinen und Füßen sie immer erst am Freitag!

  • Das kann ich komplett unterschreiben!
    Für mich gehört meine „Bemalung“ einfach dazu! Ich bin schließlich diejenige, die sich wohlfühlen muß, was andere darüber denken, interessiert mich nicht so wirklich. Ich fühle mich nackt, wenn ich nicht mindestens die Wimpern getuscht habe und wer geht schon nackt zur Mülltonne 😉 ?
    Als ich früher noch mit meinen Pferden zu Turnieren fuhr, haben wir (Pferd und ich) uns auch immer schön zurecht gemacht! Die Pferde wurden auf Hochglanz poliert und ich ebenfalls. Wenn auch das Makeup dezent ausfiel, war ich doch immer passend geschminkt und hatte die Haare zum Knoten (beim Dressurreiten sieht das unterm Zylinder einfach schön und edel aus) gesteckt.
    Ich vergesse nie den Kommentar eines Mitreiters, der da sagte: selbst wenn ihr nicht gewinnt, die Schönsten seid ihr allemal 😉

  • zebra1971

    ich bin eine verfechterin der anderen seite: am wochenende versuche ich, wenn möglich ungeschminkt zu sein. das tut meiner haut einfach gut und ehrlich gesagt meinen augen auch 😉

    komischerweise bin ich noch nie drauf angesprochen worden und mir fällt es eigentlich auch nicht großauf, wenn ich im laufe des tages in den spiegel schaue. meine theorie: man ist so sehr an das alltagsbild gewöhnt, dass man sich „nackt“ einfach komisch fühlt. es aber gar nicht ist!

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