Das Kleid – verkannt, vergessen und doch wunderbar

Ein Kleid war in meiner Kindheit etwas, das die Mutter sich einmal im Jahr neu kaufte und das zu besonderen Gelegenheiten angezogen wurde. Zu diesen besonderen Gelegenheiten wurden auch wir Kinder „ordentlich“ angezogen – die Mädchen natürlich mit einem Kleid. Da wir wie alle Kinder schnell wuchsen, wurden Kinderkleider gerne weitergeschenkt – ein Kleid war oft etwas unangenehm Kratziges, zu dem zu allem Überfluss auch noch die ungeliebte Strumpfhose, die meist im Schritt zu kurz war und daher immer rutschte, angezogen werden musste.

Als ich älter wurde und selbst entscheiden durfte, gehörten Kleider nicht mehr in meine Garderobe – mal abgesehen von der nach Patschuli riechenden Zeit der indischen Rüschen-Klimper-Klamotten mit den Samt-Mary-Janes in blau und weinrot. Auch als Studentin trug ich meist coole Jeans, auch mal einen Rock, aber Kleider? Nee.

Erst mit Anfang Dreißig entdeckte ich das Kleid erstmalig als wunderbares Kleidungsstück. Ein Kleid ist so unproblematisch, weil es komplett ist und ich nie überlegen muss, was ich dazu anziehen soll. Allenfalls was darüber kommt, und das ist ja wohl klar, ein hübsches weibliches Strickjäckchen oder ein Bolero. Ein Kleid sitzt immer, verrutscht nicht, zeigt keinen Bauch und verdreht sich nicht, macht also viel weniger Arbeit als andere Kleidung.

UND ein Kleid ist weiblich, macht eine Aussage über seine Trägerin *Hallo, hier kommt eine FRAU!“. Vor allem, wenn es mit hohen Schuhen, Sandalen oder Sabots getragen wird. Es gibt für jede Frau und jede Stimmung das richtige Kleid – von Tunikas, weiten Karokleidern über Minikleider, Lederfummel bis zu den von mir favorisierten Wickelkleidern oder denen, die mindestens so aussehen, als seien sie gewickelt. Und es gibt sie in jeder Preisklasse von sehr günstig bis sehr teuer – eben einfach ein tolles Kleidungsstück.

Die erwähnten Wickelkleider bis zur Hälfte des Knies geschnitten, im Sommer hohe offene Schuhe und im Winter – noch besser! – Stiefel mit hohen Absätzen dazu – voilá!

… ach ja, meine Abneigung gegen Strumpfhosen ist übrig geblieben, daher trage ich im Herbst Stiefel am nackten Bein und im Winter stay-ups! Also, Mädels, rüstet den Kleiderschrank auf, er heißt nicht umsonst so!!

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